Das Tauziehen um den Internet-Konzern Yahoo
geht in eine neue Runde. Der Yahoo
-Großaktionär Carl Icahn hat einen Machtkampf mit der Yahoo
-Führung gestartet und will sie doch noch zur Übernahme durch den Software-Konzern Microsoft
zwingen. Am Donnerstagabend schloss sich ein zweiter Großaktionär der Kampfansage an die Yahoo
-Geschäftsführung an.
PORTLAND. Der New Yorker Milliardär und Firmenjäger Carl Icahn hat im großem Stil Aktien des Internetportals Yahoo
erworben. Er wird auf der kommenden Hauptversammlung zehn eigene Kandidaten für die komplette Ablösung des derzeitigen Yahoo
-Verwaltungsrates nominieren. Damit will er das Management des Portals, geführt von Jerry Yang, zurück an den Verhandlungstisch mit Microsoft
zwingen. Der Softwarekonzern hat wegen Yangs Widerstand unlängst seinen Versuch aufgegeben, Yahoo
für 33 Dollar pro Aktie oder insgesamt 47,5 Mrd. Dollar zu übernehmen. Der Yahoo
-Kurs brach daraufhin tief ein, was für tiefe Verärgerung unter den Yahoo
-Eignern sorgte.
In einem Brief an den Yahoo
-Verwaltungsratsvorsitzenden Roy Bostock schreibt Icahn, das Gremium habe "irrational gehandelt und das Vertrauen der Aktionäre verloren". Es sei offensichtlich, dass das Microsoft
-Angebot von 33 Dollar pro Aktie besser sei als die weitere Selbständigkeit des Portals. Er glaube, dass die Verbindung von Microsoft
und Yahoo
einen dynamischeren und aussichtsreicheren Wettbewerber gegen Google schaffen würde, und es sei "unerhört", dass das Yahoo
-Management das Angebot nicht den Aktionären zur Abstimmung vorgelegt habe.
Wie verlautet, hat Icahn in den vergangenen zehn Tagen etwa 5,9 Mill. Yahoo
-Anteile für über 1,5 Mrd. Dollar erworben. In einer Eingabe bei der Wettbewerbsaufsicht Federal Trade Commission beantragte er kartellrechtlich Grünes Licht für den Erwerb von Aktien im Gesamtwert von 2,5 Mrd. Dollar. Icahn hat bereits einen festen Verbündeten: Die US-Beteiligungsgesellschaft Paulson & Co. erklärte am Donnerstagabend, sie unterstütze Icahns Gegenkandidaten. Unternehmenschef John Paulson hat der Finanzmarktaufsicht SEC zufolge in den vergangenen Monaten 50 Mill. Yahoo
-Aktien zusammengekauft. Das entspricht grob 3,4 Prozent.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Icahn veröffentlicht eigene Kandidatenliste
Rechtzeitig zum Termin am Donnerstag meldete Icahn seine Kandidatenliste für den Verwaltungsrat an, über die die Aktionäre auf der Hauptversammlung am 3. Juli in einer Kampfabstimmung entscheiden sollen. Die Liste umfasst ihn selbst, seinen Chefberater Keith Meister sowie unter anderem den früheren Viacom-Chef Frank Biondi und den Eigner des Basketball-Teams Dalls Mavericks, Mark Cuban. Biondi ist für Icahn ein alter Verbündeter bei Kampfabstimmungen über Verwaltungsräte. Mit der gleichen Taktik zwang der Firmenjäger erst vor kurzem den Softwareanbieter BEA Systems zurück an den Verhandlungstisch mit Oracle. Oracle-Chef Larry Ellison hatte wie auch Microsoft
-Chef Steve Ballmer seine Übernahmeabsichten wegen zu hoher Preisforderungen aufgegeben. Nach der Icahn-Intervention kam die Akquisition zu einem leicht höheren Preis zustande.
Sollten sich die Icahn-Kandidaten bei der Abstimmung durchsetzen, könnten sie das Yang-Management ablösen, die Giftpille aus der Satzung streichen und Übernahmeverhandlungen aufnehmen. Allein diese Drohung könnte indessen die gegenwärtige Yahoo
-Führung kompromissbereit machen. Bislang verhandelt Yang weiter mit dem Erzkonkurrenten Google über eine engere Zusammenarbeit bei der Online-Werbung, der einzigen sprudelnden Erlösquelle im Internet.
Yahoo
hat die Forderung des Milliardärs nach einer Wiederaufnahme der Übernahmegespräche mit Microsoft
am Donnerstag scharf zurückgewiesen. Icahn gehe von falschen Voraussetzungen aus. Sein Vorschlag zur Wahl eines handverlesenen Yahoo
-Verwaltungsrats diene nicht den Interessen des Unternehmens und seiner Aktionäre, schrieb der Vorsitzende des Gremiums, Roy Bostock, in einem Brief an den Großinvestor. Zudem liege derzeit weder von dem Internet-Konzern noch von einem anderen Interessenten ein Kaufangebot vor.
Tatsächlich ist bisher unklar, ob Microsoft
an der Neuaufnahme von Verhandlungen überhaupt Interesse hätte. Die offizielle Linie aus der Hauptverwaltung lautet weiterhin, dass das Kapitel abgeschlossen sei. Insider gehen jedoch davon aus, dass Icahn vor seinem Vorstoß nicht nur große Aktionäre von Yahoo
kontaktiert, sondern auch seine Fühler zu Microsoft
ausgestreckt hat. Analysten sagen, dass Microsoft
wenig Alternativen habe, um im Netz Boden gut zu machen.

