Rechtzeitig zum Termin am Donnerstag meldete Icahn seine Kandidatenliste für den Verwaltungsrat an, über die die Aktionäre auf der Hauptversammlung am 3. Juli in einer Kampfabstimmung entscheiden sollen. Die Liste umfasst ihn selbst, seinen Chefberater Keith Meister sowie unter anderem den früheren Viacom-Chef Frank Biondi und den Eigner des Basketball-Teams Dalls Mavericks, Mark Cuban. Biondi ist für Icahn ein alter Verbündeter bei Kampfabstimmungen über Verwaltungsräte. Mit der gleichen Taktik zwang der Firmenjäger erst vor kurzem den Softwareanbieter BEA Systems zurück an den Verhandlungstisch mit Oracle. Oracle-Chef Larry Ellison hatte wie auch Microsoft
-Chef Steve Ballmer seine Übernahmeabsichten wegen zu hoher Preisforderungen aufgegeben. Nach der Icahn-Intervention kam die Akquisition zu einem leicht höheren Preis zustande.
Sollten sich die Icahn-Kandidaten bei der Abstimmung durchsetzen, könnten sie das Yang-Management ablösen, die Giftpille aus der Satzung streichen und Übernahmeverhandlungen aufnehmen. Allein diese Drohung könnte indessen die gegenwärtige Yahoo
-Führung kompromissbereit machen. Bislang verhandelt Yang weiter mit dem Erzkonkurrenten Google über eine engere Zusammenarbeit bei der Online-Werbung, der einzigen sprudelnden Erlösquelle im Internet.
Yahoo
hat die Forderung des Milliardärs nach einer Wiederaufnahme der Übernahmegespräche mit Microsoft
am Donnerstag scharf zurückgewiesen. Icahn gehe von falschen Voraussetzungen aus. Sein Vorschlag zur Wahl eines handverlesenen Yahoo
-Verwaltungsrats diene nicht den Interessen des Unternehmens und seiner Aktionäre, schrieb der Vorsitzende des Gremiums, Roy Bostock, in einem Brief an den Großinvestor. Zudem liege derzeit weder von dem Internet-Konzern noch von einem anderen Interessenten ein Kaufangebot vor.
Tatsächlich ist bisher unklar, ob Microsoft
an der Neuaufnahme von Verhandlungen überhaupt Interesse hätte. Die offizielle Linie aus der Hauptverwaltung lautet weiterhin, dass das Kapitel abgeschlossen sei. Insider gehen jedoch davon aus, dass Icahn vor seinem Vorstoß nicht nur große Aktionäre von Yahoo
kontaktiert, sondern auch seine Fühler zu Microsoft
ausgestreckt hat. Analysten sagen, dass Microsoft
wenig Alternativen habe, um im Netz Boden gut zu machen.

