Großauftrag verloren Rückschlag für T-Systems

Die Telekom-Tochter gibt einen millionenschweren Vertrag mit Thyssen-Krupp ab, weil die Zusammenarbeit nicht funktioniert hat. Als wären die Probleme von T-Systems nicht ohnehin schon groß genug.
Update: 01.02.2018 - 14:08 Uhr 1 Kommentar
Thyssenkrupp storniert Großauftrag der Telekom Quelle: dpa
Deutsche Telekom

Das Telekommunikationsunternehmen verliert einen wichtigen Kunden.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Telekom-Tochter T-Systems kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus. Nachdem der neue Chef Adel Al-Saleh kaum zwei Wochen nach seinem Amtsantritt verkündet hatte, die Großkundensparte des Konzerns umbauen und aufspalten zu wollen, wirft eine neue Meldung nun wieder ein Schlaglicht auf die Probleme von T-Systems: Wie die „Wirtschaftswoche“ berichtet, hat der Industriekonzern Thyssen-Krupp zum Jahreswechsel seinen Siebenjahresvertrag mit der Telekom-Tochter im Wert von schätzungsweise 700 Millionen Euro storniert.

Beide Konzerne bestätigten diese Information, erklärten aber ausdrücklich, die Zusammenarbeit sei einvernehmlich beendet worden. „Grund hierfür sind veränderte strategische Zielprioritäten auf Seiten beider Unternehmen, sowie veränderte Rahmenbedingungen auf dem Outsourcing-Markt“, heißt es in der offiziellen Verlautbarung, die auch auf neue Technologien und veränderte Schwerpunkte bei T-Systems hinweist.

Allerdings scheint letztendlich die Zusammenarbeit nicht funktioniert zu haben. Wie Insider dem Handelsblatt erklärten, hätten beide Unternehmen Probleme damit gehabt: Während T-Systems Dienstleistungen nicht liefern konnte, soll Thyssen-Krupp es auch nicht geschafft haben, die benötigten Voraussetzungen zu schaffen. Die Telekom sollte ursprünglich die zerstückelte IT-Landschaft des Industriekonzern harmonisieren und standardisieren.

Die Vereinheitlichung der ausgefransten IT-Infrastruktur genießt bei Thyssen-Krupp absolute Priorität. Denn ohne einheitliche IT ist ein Übergang des Essener Traditionskonzerns ins digitale Zeitalter unmöglich. Hiervon verspricht sich Thyssen-Krupp hohe Synergieeffekte und deutlich niedrigere Kosten. Zum anderen will das Management eine bessere Übersichtlichkeit der Abläufe, was die Steuerung des heterogenen und komplexen Konzerns deutlich erleichtern würde.

Dafür hat Thyssen-Krupp im Wesentlichen drei IT-Programme aufgelegt. Die beiden wichtigsten sind Daproh („data and process harmonization“) für die Daten und Prozessharmonisierung und Unite zur Vereinheitlichung der IT-Landschaft bei Rechenzentren, Servern und Desktop-Programmen. Seit sechs Jahren laufen beide Projekte schon, 2014 erhielt T-Systems von Thyssen-Krupp den Auftrag, für Unite 80.000 Computerarbeitsplätze und 10.000 Serversysteme in 34 Ländern in Telekom-Rechenzentren zu verlagern. Davon wolle man zum Teil wieder abrücken, hieß es bei Thyssen-Krupp: „Wir werden mehr auf Cloudlösungen setzen als auf Serverzentren.“

Angesichts der technischen Komplexität war es bei beiden Projekten immer wieder zu Verzögerungen gekommen. Auch wuchs die Erkenntnis, dass sich wohl nicht alles wie gewünscht vereinheitlichen lassen wird. Eigentlich sollte das Projekt im Jahr 2022 abgeschlossen sein, doch mittlerweile wurde die Laufzeit um zwei Jahre verlängert. Man wolle das Projekt künftig mit mehreren Partnern fortführen.

In der jüngsten Bilanz hatte der Essener Konzern gestiegene Kosten für IT-Investitionen ausweisen müssen. So gab Thyssen-Krupp im abgeschlossenen Geschäftsjahr 2016/17 (30. September) allein 120 Millionen Euro für die IT-Programme aus. Konzernkreise rechnen damit, dass es noch mindestens drei bis vier Jahre dauern wird, bis die IT-Projekte beendet sind.

Mikromanagement und Kontrollwahn
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1 Kommentar zu "Großauftrag verloren: Rückschlag für T-Systems"

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  • Wen wundert das? Es liegt einzig an der Führung. Ein unbeweglicher Apparat, da müsste mal endlich richtig ausgemistet werden.
    Die Arbeit der Geschäftsleitung ist m.E. ungenügend! Sie führen die Firma in den Ruin.
    Mitarbeiter werden dann entlassen, Aktionäre verlieren alles und die angebliche Führungsschicht bekommt Millionen an Abfindungen und Renten.

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