Großbritannien
BBC soll Privatsendern helfen

Das britische Nachrichtenmonopol der BBC beginnt zu bröckeln. Jetzt will die Regierung Gebührengelder neu verteilen. Sie fordert mehr Konkurrenz auf dem Medienmarkt. Wie ihre Pläne den traditionsreichen Sektor verändern könnten.

LONDON/DÜSSELDORF. Die britische Regierung hat einen ersten Anlauf unternommen, das Monopol der BBC im öffentlich-rechtlichen Fernsehen aufzubrechen. Sie schlug im Rahmen ihres Strategiepapiers "Digital Britain" vor, Geld aus den Gebühreneinnahmen der BBC zur Finanzierung regionaler Nachrichtenprogramme in werbefinanzierten Fernsehsendern einzusetzen. Bisher liefert der größte werbefinanzierte Fernsehsender ITV 15 regionale Informationsprogramme und ein nationales Frühstücksfernsehprogramm. Doch angesichts dramatisch schrumpfender Werbeeinnahmen wird es für ITV immer unattraktiver, diese Programme zu produzieren.

Der Regierung ist es wichtig, ein konkurrierendes Nachrichtenangebot zur BBC zu haben. Darum will sie aus einem Sonderetat von 200 Mio. Pfund, aus dem die BBC die Umstellung von analogen auf digitale Fernsehprogramme finanziert, Geld abziehen, um Pilotprojekte für neue Anbieter regionaler Programme zu finanzieren. Wenn diese Umstellung vollzogen ist, sollen 130 Mio. Pfund aus diesem Etat jährlich in die Finanzierung regionaler Programme fließen. Der Rest soll helfen, die Versorgung ländlicher Gebiete mit Breitband-Leitungen zu finanzieren.

Auch wenn dadurch das Geld, das der BBC zur Finanzierung von Programmen zur Verfügung steht, nicht direkt weniger wird, ist der öffentlich-rechtliche Anbieter gar nicht glücklich über diese Pläne. Der Vorsitzende des BBC Trust, Michael Lyons, kündigte entschiedenen Widerstand an. "Die Rundfunkgebühr ist keine schwarze Kasse, in die man nach Belieben greifen kann, um politische oder kommerzielle Probleme des Tages zu lösen", warnte er. Wer das tue, riskiere, sie zu einer allgemeinen Steuer herabzuwürdigen. Die Regierung habe nicht genug geprüft, welche anderen Finanzierungsmöglichkeiten es für Regionalprogramme gebe.

Sorgen macht sich die Regierung auch um die Finanzen des kleineren Senders Channel 4. Ihm werden nach Berechungen der Medienaufsichtsbehörde Ofcom 2012 rund 100 Mio. Pfund im Jahr fehlen. Um ihn auf solidere Füße zu stellen, plädiert die Regierung für eine strategische Partnerschaft mit dem kommerziellen Ableger der BBC, BBC Worldwide. Doch auch dagegen wehrt sich die BBC - schließlich arbeitet sie seit Jahren mit einigem Erfolg daran, mit Gebührenmitteln finanzierte Programme über BBC Worldwide zu vermarkten und so ihre Bedeutung als globale Medienmarke zu steigern. Für Channel 4 ist das hingegen die Wunschlösung. So war nicht überraschend, dass der Sender die Pläne der Regierung begrüßte.

Besonders schmerzlich ist diese Haltung der Regierung allerdings für den kleinsten Privatsender, Five. Die verlustreiche Tochter der RTL Group wollte mit dem kriselnden Channel 4 fusionieren, um damit eine mächtige Fernsehgruppe aufzubauen. Five-Chefin Dawn Airey machte gestern aus ihrem Unmut über Regierungsvorschlag kein Geheimnis. "Digitales Großbritannien ist eine Enttäuschung. Nach sechs Monaten gibt es immer noch keine Lösung für Channel 4." Stattdessen sei nun eine Mogelpackung empfohlen worden.

Five hatte mit einer Fusion mit Channel 4 geliebäugelt, doch die Regierung kam zu dem Schluss, dass eine Teilprivatisierung nicht sicherstellen könne, dass der Sender langfristig seine wichtigsten öffentlichen Aufträge erfülle. Damit droht Five eine herbe Niederlage. Denn allein wird es für die RTL-Tochter sehr schwierig, doch noch eine Erfolgsstory zu schreiben. Five ist für den früher in London ansässigen RTL-Vorstandschef Gerhard Zeiler eine der größten Baustellen im Konzern. Im vergangenen Jahr holte er die frühere ITV-Chefin Dawn Airey zu Five. Die Saniererin treibt einen in der Sendergeschichte einmaligen Stellenabbau voran. 87 von 354 Arbeitsplätzen gehen verloren. Der Druck ist groß, denn der Sender lieferte zuletzt miserable Zahlen. Der Umsatz ging im vergangenen Jahr auf 432 Mio. Euro (Vorjahr 499 Mio.) zurück. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebita) belief sich auf minus zwei Mio. Euro. Im Vorjahr waren es noch zehn Mio. Euro.

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