Große TV-Spektakel
Sender zeigen Appetit auf Eventfilme

Die dürren Zeiten für die Fernsehproduzenten sind vorbei. Auf Europas größter Film- und Fernsehmesse Mip-TV in Cannes herrscht wieder Zuversicht. Denn die Sender investieren wieder in aufwendige Filme.
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Cannes„Es gibt eine klare Trendwende zu großen Filmen. Wir haben ein unglaubliches erstes Quartal erlebt“, sagte Nico Hofmann, Chef und Gesellschafter der Produktionsfirma Teamworx („Hindenburg“, „Schicksalsjahre“), dem Handelsblatt. Insbesondere die Produzenten großer oder mehrteiliger Fernsehstreifen, in der Branche Eventfilme genannt, profitieren von dem Boom.

Das Interesse der Kanäle an solchen Filmen hat einen einfachen Grund. Die Zuschauer lieben die Produktionen abseits des Massengeschmacks von Hollywood-Produktionen. „Die Sender haben angesichts der guten Quoten unserer Eventfilme einen großen Appetit auf neue Programme“, berichtet Hofmann, der seit Jahren den deutschen Fernsehmarkt mit seinen Produktionen prägt. „Mit ihren Etats verfahren die Sender nicht mehr so restriktiv. Das spüren auch wir, wenn wir Partner für Koproduktionen suchen“, sagt Patrick Elmendorff, Deutschlandchef des Filmproduzenten Studio 100 („Biene Maja“, „Das Haus Anubis“). „Erfreulicherweise ist wieder ein Aufwärtstrend im TV-Markt und in der Branche bemerkbar“, ergänzt er.

Hohe Einschaltquoten

Ein Beispiel für die neue Großzügigkeit der Sender ist RTL. Mit einem Budget von acht Millionen Euro war das Drama um das deutsche Luftschiff die teuerste Produktion in der Geschichte des Kölner Privatsenders. Die Investition hat sich gelohnt. Die Bertelsmann-Tochter fuhr mit dem Zweiteiler „Hindenburg“ Rekordquoten ein. Der Streifen lockte fast acht Millionen Zuschauer vor den Bildschirm. Solche Quoten holt RTL am Sonntag ansonsten mit Hollywood-Blockbustern. Doch nicht nur die Zuschauerresonanz lockt den Sender. „Hindenburg hat das Image von RTL verbessert. Solche Filme zahlen auf die Marke ein“, weiß Hofmann.

Angesichts der guten Werbekonjunktur haben die Sender wieder mehr Geld für das Programm in der Kasse. Sowohl RTL als auch Pro Sieben Sat 1 haben zuletzt exzellente Zahlen vorgelegt. Noch nie in ihrer Geschichte hat die RTL Group so viel Geld verdient wie im abgelaufenen Jahr. Den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) steigerte der in Luxemburg ansässige Konzern um knapp 40 Prozent auf 1,11 Milliarden Euro. Den größten Beitrag leisteten die deutschen Sender RTL, Vox, Super RTL, N-TV und RTL 2. In Deutschland stieg das Ebita um knapp 51 Prozent auf 551 Millionen Euro.

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