Große Wachstumschancen
Disney rollt TV-Markt in Europa auf

Mit mit neuen Fernsehkanälen und Jugendprogrammen setzt der Medienkonzern Disney auf den europäischen Fernsehmarkt. Das Unternehmen sehe große Wachstumsmöglichkeiten in Europa, sagte John Hardie, Fernsehchef von Disney in Europa, dem Handelsblatt. Der Konzern strotzt derzeit vor Selbstbewusstein.

PARIS. „Wir sehen sehr große Wachstumsmöglichkeiten. Wir werden die Reichweite unserer Marken zielstrebig ausbauen. Unser Ziel ist es, in fünf Jahren 100 Millionen Haushalte in Europa zu erreichen“, sagte John Hardie, Fernsehchef von Disney in Europa, dem Handelsblatt. Derzeit erreicht das Hollywood-Studio 36 Mill. Haushalte.

In dieser Woche startete der Medienriese eine Reihe neuer Fernsehangebote. Wichtigste Neuerung: Der bisherige Pay-TV-Kanal Disney Channel ist in Spanien jetzt frei empfangbar. Damit wuchs die Reichweite des Kanals in dem Land nach Unternehmensangaben von bisher zwei auf sechs Mill. Haushalte. „Ich bin davon überzeugt, dass wir in zwei bis drei Jahren alle 16 Mill. Fernsehhaushalte in Spanien erreichen“, kündigte Hardie an. Das Modell auf der iberischen Halbinsel könnte auch in anderen Fernsehmärkten Schule machen. „Es ist durchaus möglich, dass wir in weiteren europäischen Ländern frei empfangbare Kanäle gründen“, sagte Hardie in Paris. Der frei empfangbare Disney Channel ist eine weltweite Premiere. Denn in allen übrigen Länder, darunter auch Deutschland, ist der Disney Channel nur im Bezahlfernsehen zu empfangen. Auch in Italien baute der Sender vorgestern seine Reichweite im Pay-TV aus. Er wird seitdem über das Bezahlfernsehpaket von Mediaset ausgestrahlt.

Disney strotzt derzeit vor Selbstbewusstsein. Im vergangenen Quartal legte der Umsatz um zehn Prozent auf 8,7 Mrd. Dollar zu. Davon kam von der Fernsehsparte mit 3,6 Mrd. Dollar bei weitem der größte Anteil. Der operative Gewinn kletterte sogar um 21 Prozent auf 2,1 Mrd. Dollar. Über eine Mrd. kam dabei von den Kabel- und Fernsehkanälen.

Im Gegensatz zu Konkurrenten wie Viacom mit MTV oder Time Warner mit CNN setzt Disney nicht in erster Linie auf Werbeeinnahmen. Die meisten Kanäle sind ohnehin im Bezahlfernsehen zu sehen. „Wir sind nicht von den Schwankungen auf dem Werbemarkt abhängig. Wir setzen darauf, über unsere Sender Produkte zu verkaufen“, sagte Hardie. Dem Medienriesen aus Burbank geht es vor allem darum, über den Verkauf von CDs, DVDs, Plüschtieren und Eintrittskarten Umsatz und Rendite zu steigern. Durch neue Programmmarken wie dem Teenie-Star „Hannah Montana“ oder die Jugendserie „High School Musical“ sollen zusätzliche Erlöse generiert werden.

Die neue Hoffnungen ruhen nun auf den Musikfilm „Camp Rock“ mit der 15-jährigen Sängerin Demi Lovato, die zusammen mit der populären Rockgruppe „Jonas Brothers“ auftritt. „Camp Rock“ ist ein Sommerlager für kommende Popstars. Der vor zwei Wochen gestartete Film ließ mit bislang 25 Mill. Zuschauern die Kinokassen klingeln. „Die Geschichte von ,Camp Rock' ist universell. Darum wird der Film nach ,High School Musical' auch in Europa ein Erfolg werden“, sagte Hardie.

Der Blockbuster wird zuerst in den konzerneigenen Pay-TV-Kanälen zu sehen sein und ab November auch auf frei empfangbaren Sendern wie Super RTL. „High School Musical“ generierte nach Einschätzung von Analysten einen Umsatz von einer halben Mrd. Dollar. Allein im vergangenen Jahr und 2006 soll das Musical rund 100 Mill. Dollar zum operativen Gewinn beigetragen haben. Disney selbst nennt keine Zahlen zu einzelnen Produktionen oder Sendern.

Der deutsche Sender Super RTL, der je zur Hälfte Disney und Bertelsmann gehört, kündigte unterdessen einen neuen Rekord bei den Erlösen an. „Wir wachsen beim Umsatz im einstelligen Bereich“, sagte Senderchef Claude Schmit. 2007 erzielte der Kindersender Brutto-Werbeerlöse von 259 Mill. Euro. Zum Gewinn macht der Kölner Sender keine Angaben.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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