Großereignis am Times Square
SAP lüftet den Schleier um Mittelstandsoftware

SAP gibt im Mittelstands-Geschäft Gas. Am 19. September will der Softwareriese in New York den Vorhang lüften und die lang ersehnte neue Software mit dem Codenamen „A1S“ vorstellen. Mit dem Großereignis im Nokia Theatre am Times Square will das Management jegliche Zweifel am neuen Produkt zerstreuen.

FRANKFURT. Runde 400 Mill. Euro stecken die Walldorfer in die Erschließung des neuen Marktes. Zu dem Großereignis im Nokia Theatre am Times Square reist fast der gesamte Vorstand an. So sind Präsentationen von Vorstandschef Henning Kagermann, Vertriebsvorstand Leo Apotheker und Entwicklungsvorstand Peter Zencke geplant. Zudem werden erste Kunden und Anwender von ihren Erfahrungen berichten. Und schließlich soll der endgültige Name der Softwarelösung bekannt gegeben werden.

Damit kommt „A1S“ in die endscheidende Phase und muss beweisen, dass es am Markt auch „fliegen“ wird. „Der Produktlaunch ist die dritte Phase der Markteinführung von A1S, die zudem die verstärkte Kundenakquisition beinhaltet“, schreibt Theo Kitz von Merck Finck & Co., in einer Notiz. Die Pläne des SAP-Managements mit „A1S“ sind ehrgeizig. Ab 2010 will Kagermann mit der neuen Lösung jährlich 10 000 neue Kunden gewinnen. Insgesamt beziffert er das Marktpotential auf 15 Mrd. Euro. Ab dem ersten Quartal kommenden Jahres soll die Lösung in voller Breite verfügbar sein.

SAP ist auf den Erfolg von „A1S“ angewiesen. Im Kerngeschäft mit Großkunden lässt die Wachstumsdynamik merklich nach. Chancen bietet der Mittelstand, wo standardisierte Firmensoftware zur Steuerung der Geschäftsabläufe noch nicht so verbreitet ist. Zwar haben die Walldorfer in der Vergangenheit vielfach Initiativen bei den kleineren Firmen gestartet. Mittlerweile erzielt der Konzern immerhin 30 Prozent der Umsätze jenseits der Großkunden. Doch bei etwa der Hälfte des Mittelstandsmarktes können die Walldorfer mit ihren bisherigem Angebot nicht landen. Diese Firmen wollen kleine, leicht zu installierende Programme.

Genau die verspricht „A1S“, das die Kunden einfach aus dem Internet laden können sollen. Damit folgen die Walldorfer einem Wachstumsmarkt. Nach Ansicht der Marktforscher von der Gartner-Gruppe wird der weltweite Umsatz mit diesen so genannten „Software as a Service-Produkten“ (SaaS) im laufenden Jahr um 21 Prozent auf 5,1 Mrd. Dollar zulegen. 2011 sollen Erlöse von 11,5 Mrd. Dollar erreicht werden.

Doch das neue Geschäft erfordert einen radikalen Kulturwandel. Kagermann will künftig zweigleisig fahren. Das Kerngeschäft mit vor Ort installierten Systemen soll um die kleinen, flexiblen Programme ergänzt werden. Doch diesen Spagat werden die Walldorfer in den Augen einiger Rivalen nur schwer bewältigen können. „Das komplexe Hybrid-Modell von SAP wird scheitern“, sagt Lindsey Armstrong, President von Salesforce.com, einem Anbieter von SaaS-Lösungen. Auch die Margen könnten sinken. „Schließlich reden wir hier von einem Massengeschäft“, warnt Christian Glas vom Beratungsunternehmen Pierre Audoin Consultants.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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