Groupon-Chef im Interview
„Es liegt ein Wahnsinnsmarkt vor uns“

Er soll Groupon zum Comeback verhelfen: Emanuel Stehle leitet das Deutschland-Geschäft des kriselnden Gutscheinportals. In seinem ersten Interview verspricht er Nachhaltigkeit – „der Händler muss etwas vom Deal haben.“
  • 0

Emanuel Stehle kam über einen Umweg zu Groupon: Er baute in Deutschland gemeinsam mit den Samwer-Brüdern das Portal MyCityDeal mit auf, das der Konkurrent aus den USA bald übernahm. In den letzten Jahren war er in unterschiedlichen Positionen für Groupon tätig, seit Ende Juli leitet er das Geschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In seinem ersten Interview als neuer Chef wirbt er um das Vertrauen der Händler.

Handelsblatt Online: In den USA hat sich Groupon halbwegs erholt, aber in Europa und Deutschland sieht es schlecht aus. Warum?

Emanuel Stehle: Der amerikanische Markt ist unser Ursprungsmarkt und unsere größte Region, deswegen ist wichtig, dass er erfolgreich ist. In Europa hat sich der Trend erheblich verbessert, das sehen wir als positives Signal. Man kann aber nicht alles gleichzeitig machen – wir sind in 48 Ländern aktiv. Der Fokus lag erst auf Nordamerika, jetzt nehmen wir uns Europa vor.

Worin liegen denn die Probleme?

Wichtig ist, dass wir das Geschäft zunehmend auf Nachhaltigkeit ausrichten. Die Deals müssen für unsere Kunden gut sein, für unsere Partner profitabel sein und für alle einen Mehrwert bieten.

Es gibt allerdings viele Berichte über Händler und Restaurantbesitzer, die mit Groupon unzufrieden sind…

Wir haben sehr viele zufriedene Partner – die Hälfte aller, die in den letzten sechs Monaten Groupon genutzt haben, haben schon zuvor mit uns zusammengearbeitet. Wir haben aber auch eine wahnsinnig große Reichweite. Deswegen sind wir nicht davor gefeit, dass mal was schiefgeht. Wir müssen jeden Partner so beraten, dass er von dem Deal profitiert. Umsatz kann man immer schnell generieren, wichtig ist, dass das nachhaltig geschieht und die Partner zufrieden sind.

Wie genau soll das geschehen?

Wir müssen fortsetzen, was wir in den letzten Quartalen schon getan haben: die Partner richtig beraten und genau feststellen, wie viele Kunden ins Geschäft reinkommen können und sollen. Wir haben zum Beispiel ein Tool, mit dem der Vertriebler einem Restaurantbetreiber vorrechnen und veranschaulichen kann, was ein Deal kostet und ab wann er damit Gewinn macht – trotz Rabatt und Provision reicht manchmal schon der Verkauf eines Getränks.

Ein weiteres Problem: In vielen Ländern gab es eigene Computersysteme – das hat zu Reibungsverlusten geführt. Wie kommen Sie mit der Vereinfachung voran?

Wir führen alle Tools, die es in den USA gibt, auch in anderen Ländern ein – wir nennen das One-Playbook-Strategie. Wir machen schnelle Fortschritte, aber der Prozess ist hochkomplex. Aber es ist gut, das früh in der Unternehmensgeschichte zu machen.

 

Trotz allem ist das Gutscheingeschäft schwierig, die Konkurrenten Amazon und Google haben sich wieder zurückgezogen, Groupon ist defizitär. Hat es überhaupt eine Zukunft?

Es liegt ein Wahnsinnsmarkt vor uns. Im vergangenen Quartal haben wir den Bruttoumsatz um 10 Prozent auf 1,4 Milliarden Dollar gesteigert.

... also die Einnahmen aus den verkauften Produkten und Dienstleistungen abzüglich Steuern und Vergütungen.

Wie könnten wir das schaffen, wenn es kein gutes Geschäft wäre? Die Vision von Groupon geht aber weit über das Rabattportal hinaus. Der Groupon-Gründer Andrew Mason hat gesagt: „Let’s make life less boring“. Wir möchten den Menschen in ihrer Stadt Zugang zu interessanten Dingen um sie herum schaffen, um ihr Leben abwechslungsreicher zu machen.

Was sind die nächsten Schritte in Deutschland?

Der Verkauf über Smartphones ist sehr wichtig – die Nutzer sollen überall einkaufen können. Außerdem expandieren wir in andere Bereiche: Wir verkaufen Reisen, aber auch Produkte. Und wir denken in die Richtung, lokalen Händlern und Restaurants die Möglichkeit zu geben, die Preise dynamisch zu gestalten, damit sie ihre Auslastung steuern können.

Das Marketing wird von Berlin nach Dublin verlegt. Was heißt das für den Standort Deutschland?

Wir sind ein globales Unternehmen, gewisse Funktionen werden so weit wie möglich zentralisiert – in dem Fall das Marketing vornehmlich in Dublin. Trotzdem verstärken wir unser Engagement hierzulande eher noch. Deutschland ist ein sehr attraktiver Markt.

Danke für das Gespräch.

Kommentare zu " Groupon-Chef im Interview: „Es liegt ein Wahnsinnsmarkt vor uns“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%