Groupon erfindet sich neu
Sterneküche für Schnäppchenjäger

Billig, aber nicht um jeden Preis: Das Gutscheinportal Groupon versucht ein Comeback. Statt nur Schnäppchen anzupreisen, will es einen Marktplatz für lokale Freizeitangebote entwickeln – Gourmetrestaurants inklusive.
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DüsseldorfWimpernverlängerung für 45 statt 120 Euro, ein italienisches Drei-Gänge-Menü zum halben Preis: Groupon steht für Rabattaktionen. Doch das Geschäft mit den Gutscheinen ist in den letzten Jahren in Verruf geraten. Zu oft gab es Ärger beim Einlösen, zu oft machten Schönheitssalons oder Pizzerien einen schlechten Schnitt. Gleichzeitig wuchsen überall Konkurrenten heran. Das Geschäft brach ein, der einstige Börsenstar stürzte tief.

Heute gibt es nur noch wenige Berichte über Groupon. Emanuel Stehle hält das für ein gutes Zeichen: „Die Wahrnehmung von Groupon war damals nicht so, wie wir uns das gewünscht hätten“, weiß der Manager, der Geschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz leitet. Dass die Horrormeldungen über enttäuschte Kunden und Händler verschwinden, verbucht er als Erfolg. Hatte er doch bei seinem Amtsantritt vor einem Jahr versprochen, für alle das Geschäft „nachhaltiger“ zu gestalten. Die Zahl der regelmäßigen Käufer und Partnerunternehmen steige, betont er in Gespräch mit Handelsblatt Online.

Deutschland steht stellvertretend für den Wandel, den Groupon durchmacht: Der Online-Dienst will nachhaltiger wirtschaften – es geht nicht nur um schnelles Wachstum wie vor dem milliardenschweren Börsengang, sondern ein langfristiges Geschäftsmodell. Und er will einen neuen, möglicherweise noch lukrativeren Markt erschließen: Groupon soll ein Marktplatz für lokale Dienstleistungen und Produkte werden.

Zum besseren Image soll zum einen eine bessere Betreuung beitragen. So hat Groupon einen Rechner entwickelt, mit dem Restaurantbetreiber ausrechnen können, was ein Deal kostet und ab welchem Umsatz sie Gewinn machen. „Die Partner sollen nicht mehr automatisch hohe Rabatte gewähren“, sagt Stehle. Den besten Preis wolle sein Unternehmen aber trotzdem bieten. Der Nachlass liege immer noch bei durchschnittlich 60 Prozent – „das ist Teil unserer DNA“.

Künftig will das Unternehmen außerdem mehr renommierte Partner gewinnen. Das Fitness-Studio Fitness First bietet beispielsweise Rabatte an, die Café-Kette Starbucks ebenso, zudem wagten mehr als 30 Gourmetrestaurants Gutscheinaktionen.

Doch Groupon soll künftig nicht nur für Deals stehen. Das Unternehmen will einen Marktplatz für lokale Freizeit- und Lifestyle-Angebote entwickeln. Die hehre Vision: Wer wissen will, was in seiner Stadt los ist, schaut auf Groupon nach. Lokale Händler und Dienstleister sollen ihre Geschäfte auf dieser Plattform eintragen – und am besten auch noch ihre Produkte anbieten. „Wenn die Partner verstehen, dass sie mit Groupon über den Preis auch die Auslastung steuern können, gewinnt unsere Plattform eine völlig neue Dynamik“, ist Stehle überzeugt.

Die Einführung neuer Produkte dauert indes. Erst muss Groupon das typische Problem eines Start-ups meistern, das viel zu schnell gewachsen ist: Der Konzern, der in Deutschland den Konkurrenten Citydeal übernommen hatte, vereinheitlicht seine IT-Systeme und Datenbanken. „Das ist die Voraussetzung für technische Innovationen“, sagt Stehle. In den USA können Händler beispielsweise über Groupon Termine vergeben. Dieses Buchungs-Tool würde er gerne auch so schnell wie möglich in Deutschland einführen.

Der Deutschland-Chef ist überzeugt, dass Groupon mit den neuen Maßnahmen wieder profitabel wird – zuletzt verdreifachte sich der Quartalsverlust auf 22,9 Millionen Dollar. „Wenn wird die Produkte weiter verbessern, geht auch der Umsatz nach oben.“ Er setzt darauf, dass die Nutzer zum Image-Wandel beitragen: „Wir haben ein großes Netzwerk. Wenn wir die Kunden happy machen, werden sie Botschafter des Produkts.“

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