Gründer des Umbaus
Die Säulen von Siemens

Peter Löscher agiert seit seinem Amtsantritt als Vorstandsvorsitzender bei Siemens im Stil eines Feuerwehrmanns: ohne Rücksicht werden Brandherde und Störfeuer beseitigt. Löschers neuester Streich ist dabei der Plan zum Neuaufbau des Unternehmens.

MÜNCHEN. Am Montag ist Peter Löscher, der Vorstandsvorsitzende von Siemens, genau 100 Tage im Amt. Aus diesem Grund hat er in der Nacht zum Freitag in München die Grundzüge eines weitreichenden Konzernumbaus skizziert. Er orientiert sich an der Vorgabe des Aufsichtsratschefs Gerhard Cromme, der beim Amtsantritt Löschers gesagt hatte, Siemens solle transparenter, weniger komplex, schneller und effizienter werden.

Erste Skizzen des Konzernumbaus hat Löscher dem Aufsichtsrat bereits präsentiert, in der kommenden Woche wird er das Vorhaben mit den 600 weltweit führenden Managern des Konzerns in Berlin diskutieren. Am 28. November soll dann der Vorstandsumbau endgültig im Aufsichtsrat abgesegnet werden.

Künftig wird Siemens auf den drei Säulen Infrastruktur, Energie und Gesundheit stehen, in die die zehn bisher weitgehend selbstständig operierenden Bereiche eingehen. Die Chefs dieser Arbeitsgebiete ziehen in den Konzernvorstand ein, der damit ein neues Gesicht bekommt und voraussichtlich verkleinert wird. Die Spartenchefs sollen als „Weltunternehmer“ tätig sein, die Rolle der Regionalgesellschaften schrumpft hingegen.

Was bedeuten Löschers Vorschläge für den Gesamtkonzern, wird er sein Gesicht verändern?

Die Antwort ist ein eindeutiges Ja. Sowohl in der Zentrale als auch vor Ort, in der Aufstellung beim Kunden in den 190 Ländern, in denen Siemens aktiv ist, kommt es zu erheblichen Veränderungen. Insbesondere die Rolle des Zentralvorstands wird gründlich verändert, wahrscheinlich wird er in seiner bisherigen Gestalt, die ja aus dem Jahr 1989 stammt, nicht mehr weiterexistieren.

Der Zentralvorstand als Ausschuss des Siemens-Vorstands war das Machtzentrum des Konzerns, die einzelnen Mitglieder waren aber operativ nicht verantwortlich. Stattdessen hatten sie regionale Zuständigkeiten und betreuten einzelne Geschäftsbereiche. Dieses „Coaching“ hat nun ein Ende, die drei Bereichschefs werden selbst Mitglied im Konzernvorstand, so sie es denn noch nicht sind.

Was bedeutet das neue Modell für die weltweite Organisation von Siemens?

Die neue Konzernstruktur bedeutet einen historischen Einschnitt. Bislang gehörte es zu den ehernen Prinzipien des Konzerns, den Regionalgesellschaften außerhalb Deutschlands hohe Verantwortung für das laufende Geschäft zu geben. „Die Landesgesellschaften sind die Regionalunternehmer vor Ort“, hieß es. Nun soll die Rolle der Regionalunternehmer zugunsten der „Weltunternehmer“, also der Chefs der drei neuen Großbereiche, zurückgedrängt werden.

Das birgt für Löscher nicht unerhebliches Konfliktpotenzial, schließlich gelten viele Länderchefs als Provinzfürsten, die über erheblichen Einfluss bis in die Konzernspitze verfügen.

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