Gruner + Jahr
Financial Times Deutschland vor der Einstellung

Der Verlag Gruner + Jahr verhandelt noch über einen Verkauf der Wirtschaftszeitung „Financial Times Deutschland“, doch ein Aus des Blattes ist wahrscheinlicher. Die FTD schreibt, „vor der Einstellung“ zu stehen.
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Düsseldorf/HamburgIn der Gründungsphase der „Financial Times Deutschland“ im Jahr 2000 jubelten Wirtschaftsjournalisten im ganzen Land – zumindest klammheimlich. Denn der neue Titel hatte einen Wettstreit um Talente entfacht und den Gehältern in der Branche einen Schub verpasst. Zwölfeinhalb Jahre nach der Erstausgabe der auf lachsrosa gefärbtem Papier gedruckten Zeitung ist diese wohl am Ende.

Der Verlag Gruner + Jahr (G+J) beschloss auf einer Aufsichtsratssitzung am Mittwoch in Hamburg, dass der Vorstand „einen Verkauf, Teilschließung oder Schließung der G+J Wirtschaftsmedien“ vornehmen darf. Es liefen letzte Gespräche zu einem möglichen Verkauf der Zeitung, teilte ein Sprecher mit. Allerdings berichten Mitarbeiter bereits, dass am 7. Dezember der letzte Erscheinungstag des Blattes sein werde. Außerdem sollen aus der G+J Wirtschaftspresse die Titel „Börse Online“ und „impulse“ zum Verkauf gestellt. Aus dem Segment Wirtschaftspresse wird höchstwahrscheinlich einzig der Titel „Capital“ im Hause des „stern“-Verlags verbleiben.

Insgesamt arbeiten für die vier Titel nach Verlagsangaben 330 Mitarbeiter. Den meisten droht eine betriebsbedingte Kündigung im Januar, bis Ende Dezember will G+J darauf verzichten. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) appellierte an die soziale Verantwortung des G+J-Managements. „Sparmaßnahmen dürfen nicht einseitig zu Lasten der Journalistinnen und Journalisten beschlossen werden“, teilte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken in Berlin mit. Der stellvertretende Vorsitzende der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi), Frank Werneke, fürchtet, dass mehr als 200 Arbeitsplätze gestrichen würden.

Die Financial Times Deutschland war in der Hoffnung auf den Markt gebracht worden, vom großen Interesse der Deutschen an Aktien zur Jahrtausendwende zu profitieren. Tageszeitungen und Wirtschaftsmagazine freuten sich damals über viele Anzeigen von Börsenaspiranten und hohe Renditen. Doch der Hype war bald danach wieder vorbei, die Kursaufschwünge am Neuen Markt entpuppten sich als Blase und das Marktumfeld verfinsterte sich. Auch die wachsende Bedeutung des Internets war für die G+J-Titel eine Herausforderung – wie für den Rest der Presselandschaft auch.

Der Verlag Gruner + Jahr, der auch Magazine wie „Geo“, „Gala“, „Stern“, „Brigitte“ und „Neon“ herausgibt, gehört mit einem Umsatz von rund 2,3 Milliarden Euro (2011) zu den größten in Europa. Mehrheitseigener ist mit 74,9 Prozent die Bertelsmann SE & Co. KGaA. Eine Sperrminorität von 25,1 Prozent hält die Hamburger Verlegerfamilie Jahr.

 
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales

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  • Bei der FTD hatten sie einige gute Artikel, die ich gerne gelesen hätte.
    Allerdings waren diese kostenpflichtig.

    So wichtig waren sie dann für mich wieder nicht, dass ich dafür bezahlt hätte.
    Persönliche Daten angeben, Bankverbindung im Internet preisgeben, schreckt doch viele Nutzer wieder ab.
    Dazu dann noch der wöchentliche Newsletter, Hinweise auf Dies und Das, Gewinnspiele usw.

    (Kann man abbestellen, ich weiß. Aber wieviele Newsletter habe ich schon abbestellt und bekomme dennoch ständig superwichtige Infos, nur speziell für mich)

    Privat beziehe ich von der ortsansässigen Presse längst keine Printausgabe mehr.

    Weil nur 'abgeschrieben' wird, wie Sie bereits erwähnten und wir ohnehin keine Wahrheit oder echte Meinung zu lesen bekommen.

    Und auf Regionalmeldungen, dass im Nachbarort eine Bäckerei überfallen wurde oder ein Lkw in den Straßengraben gerutscht ist, interessieren mich herzlich wenig.

  • Das Sterben der Print-Zeitungen hat zwei Entwicklungslinien. Die erste ist der Inhalt. Ein und dieselbe Nachricht ist in fast jeder Zeitung zu finden. Wo bleibt da das Alleinstellungsmerkmal? Viele Artikel sind nur oberflächlich recherchiert bzw. aus dpa oder reuters-Meldungen abgeschrieben. In den Überregionalen Zeitungen stehen inzwischen Nachrichten, die in Society-Magazinen wie z.B. der Gala oder der Rubrik "Verhaltensauffälligkeiten" zu finden sind. Da fehlt der Mut und die Kreativität für Neues.
    Die zweite Linie ist die Kostenlos-Orgie im Onlineangebot. Eine Nachricht, die nicht kostet ist offensichtlich nichts wert. Vereinzelt sind Meldungen inzwischen zwar kostenpflichtig, aber: Viele klicken gar nicht erst an oder suchen woanders nach kostenlosen Inhalten.

    Das Handelsblatt hat zwar einen schönen Artikel pro Print geschrieben, denkt das Problem aber nicht konsequent zu Ende. Wenn alle Verlage sich einig wären und ihre Online-Inhalte kostenpflichtig anbieten würden, wäre zumindest die Chance zu einer vermehrten Rückkehr zum Print gegeben. Doch die Branche besteht aus zu vielen Egoisten, die glauben, dass sie schon zu denen gehören werden, die überleben werden.
    Ich denke, dass die Talfahrt im Print rasant zunehmen wird, da sich die Wirtschaft im Abschwung befindet und die Werbeausgaben drastisch gekürzt werden. Das geht dann so schnell, das manche Verlags-Manager das schon heute nicht glauben wollen.
    Wie lange das Handelsblatt überleben wird, ist dabei auch eine Frage. Im Minus kann sie nur sein und das schon seit längerer Zeit, wenn man sich das Volumen der Print-Eigenanzeigen ansieht. Doch zur Ehrenrettung der Verlagsgruppe gibt es noch Die Zeit. Eine Print-Ausgabe die derzeit ihresgleichen sucht. Kompliment.

  • Das ist ja eine tolle "Wirtschaftszeitung", die anscheinend selbst nicht wirtschaften kann!

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