Gruner + Jahr kämpft, buchstäblich, mit seinem US-Geschäft
Lost in Translation

Die erste Gerade von Axel Ganz kann Daniel Brewster noch blocken. Dann rammt der Vorstand Internationale Zeitschriften von Gruner + Jahr (G+J) seinen Kopf in Richtung der Schneidezähne seines US-Chefs – und die bohren sich in Ganz’ Stirn: Aus der Wunde über seinen Augenbrauen läuft Blut über sein gebräuntes Gesicht. „Wir haben rumgealbert, und ich hab’ versucht, ihn zu boxen. Es gab eine Reaktion. Irgendwie hat er mich verletzt“, erklärt Ganz das seltsame Nachspiel zu einem Dinner in Kalifornien im vergangenen Herbst.

Die Szene, die von mehreren Zeugen bestätigt wird, wirft ein Licht auf das Verhältnis von Ganz und Brewster, der im Januar nach gefälschten Zahlen für das Magazin „Rosie“ gehen musste. Und sie ist ein Symbol für die Merkwürdigkeiten beim erfolglosen Versuch des Hamburger Verlagsriesen („Stern“), zu einer Macht in den USA zu werden.

Die Story von G + J in den USA ist eine Geschichte von Missverständnissen, Niederlagen und verpassten Chancen. 1978 begann die Gruner-Geschichte in Übersee mit dem Kauf von familienorientierten Magazinen wie „Parents“. Ein Jahr später der erste Misserfolg: „Geo“ ging an den Start und wurde nach nur zwei Jahren mit reichlich Zank zwischen deutschem und US-Management wieder vom Markt genommen; schon da war man „lost in translation“. Danach blieb es weitgehend ruhig – bis Daniel Brewster kam.

Im Jahr 2000 lockten die Hamburger ihn mit einem Millionen- Dollar-Paket. Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff drängte auf schnelles Wachstum in den USA – und den Güterslohern gehören 74,9 Prozent an G+J. Der 44-jährige Blitzaufsteiger schien ihm der richtige Mann dafür.

Doch schon Brewsters erstes großes Projekt entpuppte sich als gewaltiger Flopp. Für sagenhafte 365 Millionen Dollar übernahm er die Zeitschrift „Fast Company“ – pünktlich, als das Fegefeuer der New Economy entzündet wurde. Kürzlich hatte Bertelsmann-Vize Siegfried Luther in Berlin die Genehmigung für die sündhaft teure Postille für die @-Generation als einen seiner größten Fehler als Finanzvorstand genannt.

Zwischen New York und Hamburg krachte es unter Brewster häufig. Beispielsweise macht sich die Hamburger Zentrale Ende 2001 Sorgen um die US-Druckereitochter Brown Printing. Die Anweisung der Deutschen, alle G+J-Magazine in Übersee bei Brown drucken zu lassen, stößt bei Brewster auf Unverständnis. Die Konkurrenz sei billiger und besser, heißt es in New York. Hamburg weist schließlich an, Konkurrenzangebote einzuholen und Brown zum niedrigeren Preis der Rivalen die G+J-Produkte drucken zu lassen. Tracy Windrum, als Vize-Präsidentin zuständig für Produktionsfragen, ist sauer: Brewster und sie seien „sehr besorgt über die ethischen Implikationen . . . Und wir denken, dass dieses in einigen Punkten illegal sein könnte“, schreibt sie in einer E-Mail nach Hamburg.

Gruner + Jahr erklärte dazu in einem Schreiben, der Branche sei bekannt gewesen, dass man Preise von anderen Druckereien Brown mitgeteilt habe. Die Details der Angebote habe man aber nicht offen gelegt.

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