„Guardian“
Der gefeierte Wächter mit leeren Taschen

Mit Enthüllungen im Wochentakt macht der Guardian derzeit Schlagzeilen in aller Welt. Doch die journalistischen Glanzleistungen zahlen sich nicht aus – wirtschaftlich ist das britische Blatt schwer angeschlagen.
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DüsseldorfDas Timing ist perfekt: Am Vorabend des G8-Gipfels in Nordirland deckt der „Guardian“ auf, dass britische Spione bei Konferenzen im Königreich ausländische Diplomaten ausgehorcht haben. Die Enthüllung werde wohl für einige Spannungen unter den Teilnehmern sorgen, schreibt die liberale Zeitung so selbstbewusst wie zutreffend. Die Macher aus London wissen: Mit dem Bericht setzen sie ein Thema auf die globale Agenda – wieder einmal.

Dass dem „Guardian“ nach den Enthüllungen zum US-Überwachungsprogramm PRISM der nächste Coup gelingt, ist kein Zufall. Die britische Medienmarke hat mittlerweile einen globalen Ruf, bekannt für furchtlosen Journalismus und Scoops, für Leserbeteiligung und Experimentierfreude. Doch trotz der publizistischen Erfolge hat der Verlag, die Guardian Media Group (GMG), das gleiche Problem wie viele andere Medienhäuser in aller Welt: Es gelingt ihm nicht, aus der Reichweite im Netz Kapital zu schlagen.

Die Aufdeckungsserie zur Datenspionage hat das Medienhaus seinen hervorragenden Ruf und seiner klaren Haltung zu verdanken. Im vergangenen Sommer entschied sich der Buchautor, Kolumnist und Blogger Glenn Greenwald, nicht länger auf der Website Salon.com zu veröffentlichten, sondern beim US-Ableger des „Guardian“. Die Zeitung habe Greenwald umworben, da er nicht in Washington sitze und damit eine kritische Distanz zur Hauptstadt wahre, sagte damals die US-Chefredakteurin des „Guardian“, Janine Gibson. Greenwald lebt in Brasilien, da sein Lebenspartner aufgrund von US-Gesetzen keine Chance auf eine Arbeitserlaubnis in den USA habe.

Greenwald hatte sich seit Jahren den Ruf umworben, kritisch über Internetfreiheit, Datenschutz und ähnliche Themen zu schreiben. Darauf war auch 29-jährige Informant Edward Snowden aufmerksam geworden. Er kontaktierte Greenwald und die Filmemacherin Laura Poitras. Sie ist für Film-Dokumentationen bekannt, in denen sie mit „Whistleblowern“ gearbeitet hat. In einem Interview erläuterte Poitras, dass Snowden sich wohl aus Misstrauen gegenüber anderen Medien für „Guardian“ und „Washington Post“ entschieden hatte.

Den privilegierten Zugang zu Snowden spielt die Zeitung in London geschickt aus.

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  • @Liberal (vermutlich Neoliberalismus): Nicht mal den Namen des Blattes richtig schreiben können, aber dicke Statements zur Qualität der Berichterstattung geben - seeehr glaubwürdig!

  • Für mich ist die Berichterstattung des Gardians sehr bedenklich. Die politisch einseitige Berichterstattung ist das eine, was mich aber wirklich stört ist der versteckte Antisemitismus des Gardians. Man kann bei dem Blatt fast das Gefühl haben, es ist besessen von einem Hass gegen Juden und Israel.

    Pat Condell, der britische Stand-Up Comedian, Schriftsteller und Internetaktivist, hat die Zeitung deshalb schon mal als die "The ugliest newspaper in Britain" bezeichnet.

  • DEM GUARDIAN GEHT ES ÄHNLICH WIE DER FR

    Auch die politische Ausrichtung ist ähnlich. Linksgrün und antiweiß-rassistisch bedingungslos islamophil.

    Natürlich ist der Guardian nicht so hetzerisch und hält sich gewöhnlich noch an journalistische Mindeststandards wie beispielsweise keine falschen Faktenbehauptungen wie die FR.

    Verdient weiter zu existieren haben beide Blätter sicher nicht.

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