Gütersloher Medienkonzern drängt auf Ablösung von Vorstandschef Andrew Lack
Bertelsmann sucht bei Sony BMG die Machtprobe

Zwischen den Medienkonzernen Bertelsmann und Sony gibt es offenbar einen Streit über die Führung der gemeinsamen Musiktochter Sony BMG. Bertelsmann sei unzufrieden mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Musikgeschäfts und stoße sich am Führungsstil von Sony-BMG-Chef Andrew Lack.

DÜSSELDORF/NEW YORK. Zwischen den Medienkonzernen Bertelsmann und Sony gibt es offenbar einen Streit über die Führung der gemeinsamen Musiktochter Sony BMG. Nach einem Bericht der „New York Times“ sollen Bertelsmann-Manager darauf drängen, dass der im Februar 2006 auslaufende Vertrag von Sony-BMG-Chef Andrew Lack nicht verlängert wird. Bertelsmann sei unzufrieden mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Musikgeschäfts und stoße sich auch am Führungsstil des 58-jährigen Managers, heißt es in dem Bericht. Lack gilt als Vertrauter des neuen Sony-Chefs Howard Stringer. Bevor Lack im Februar 2003 ins Musikgeschäft einstieg, war er Chef des US-Fernsehsenders NBC. Bertelsmann kann den Firmenchef am Konzernsitz in New York nicht ohne Zustimmung von Sony des Amtes entheben.

Sowohl Bertelsmann als auch Sony wollten gestern zu einer möglichen Ablösung von Lack keinen Kommentar abgeben. Bertelsmann-Vorstandsmitglied Rolf Schmidt-Holtz, Chairman von Sony BMG und Architekt des Joint-Ventures, nahm ebenfalls nicht Stellung.

Nach Angaben der „New York Ti-mes“ könnte hinter dem Führungsstreit ein verdeckter Machtkampf bei Sony BMG stecken. Nachdem Chief Operating Officer Michael Smellie zum Jahresende seinen Rücktritt erklärt hat, würden die Gütersloher um das Machtgleichgewicht im Unternehmen fürchten, heißt es.

Sony BMG ist mit einem weltweiten Marktanteil von rund 22 Prozent nach Universal Music der zweitgrößte Musikanbieter der Welt. Das Unternehmen hat jedoch im ersten Halbjahr 2005 auf dem amerikanischen Markt Boden verloren. So ist der Marktanteil nach Angaben des Markforschungsinstituts Nielsen Soundscan von zuvor 33 auf 28 Prozent gesunken.

Der Umsatz von Sony BMG im ersten Halbjahr ging von knapp 1,2 Mrd. Euro auf 950 Mill. Euro zurück. Der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) belief sich auf 48 Mill. Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 74 Mill. Euro. Bertelsmann konsolidiert Sony BMG seit dem 1. August 2004. Der Gütersloher Medienkonzern machte bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen für den Umsatzrückgang beim Musik-Joint-Venture vor allem bilanzielle Gründe und eine andere Gewichtung bei den Neuveröffentlichungen verantwortlich. Von Managementfehlern war nicht die Rede. Zu den von Sony BMG verantworteten Künstlern gehören die Backstreet Boys, David Bowie, Alicia Keys und Shakira.

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