Gunter Thielen
„Wir sind keine heimliche Regierung“

Der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, Gunter Thielen, wehrt sich gegen Angriffe auf das Machtzentrum des Medienkonzerns. Im Handelsblatt-Interview äußert er sich auch zur Nachfolge in der Mohn-Familie und zum Konflikt um das Sarrazin-Buch.
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Wie geht es der Bertelsmann Stiftung?

Die Bertelsmann Stiftung ist in einer sehr guten Verfassung. Sie hat sich in den letzten Jahren neu aufgestellt. Sie arbeitet effizient. Ihre Ergebnisse werden beachtet, ihre Schriften und ihre Internetportale werden gelesen.

Können Sie denn Erfolge in jüngster Zeit aufweisen?

Es vergeht kaum eine Woche, in der wir uns nicht mit Studien und Vorschlägen an wichtigen gesellschaftspolitischen Debatten beteiligen. So haben wir in den letzten Monaten immer wieder auf Probleme im deutschen Bildungssystem hingewiesen. Zuletzt hat die Bertelsmann Stiftung eine bundesweite Studie über die Situation von Schülern ohne Abschluss veröffentlicht. Die Ergebnisse haben in der Politik und den Medien eine sehr große Resonanz gefunden. Überhaupt stoßen unsere Vorschläge zur Modernisierung der Bildung auf großes Interesse. Wir betrachten dabei den ganzen Bildungsweg, angefangen vom Kindergarten bis zum lebenslangen Lernen.

Die Bertelsmann Stiftung hat sich einerseits von den rechtspopulistischen Thesen von Thilo Sarrazin distanziert. Andererseits verlegt Bertelsmann das Buch. Geht das: zum einen den Inhalt zu verurteilen, zum anderen daran Geld zu verdienen?

Der Verlag Random House hat entschieden, die Inhalte von Herrn Sarrazin zu veröffentlichen. Dort hat man erkannt, dass das Thema Integration eine hohe gesellschaftspolitische Relevanz hat. Ich distanziere mich von den Aussagen von Herrn Sarrazin, aber das Buch hat eine große und wichtige Debatte ausgelöst, deshalb war die Entscheidung richtig. Mehr als 1,1 Mio. verkaufte Bücher beweisen das außerdem. Mit der Haltung und den Ergebnissen der Bertelsmann Stiftung haben die Inhalte dieser Publikation aber gar nichts zu tun.

Das verstehe ich nicht. Die Stiftung beschäftigt sich doch seit Jahren mit Migration und sieht die Zukunft in einer gestalteten Einwanderung. Das ist doch ein Widerspruch, oder?

Die Stiftung arbeitet seit vielen Jahren an den Themen Integration und Migration. Die Migranten fühlen sich in Deutschland zum größten Teil wohl. Das Gros der Einwanderer hat sich viel besser integriert, als öffentlich wahrgenommen wird. Die Integrationspolitik ist verbesserungswürdig, aber eben kein Desaster wie es Herr Sarrazin beschreibt.

Die Bertelsmann Stiftung verdient aber an einem Buch mit, das genau den gegenteiligen Eindruck erweckt oder?

Das Buch behandelt über weite Teile das Problem der demographischen Entwicklung. Vieles ist überspitzt und falsch formuliert. Der demographische Wandel ist eine große Herausforderung für Deutschland, mit diesem Thema beschäftigt sich die Bertelsmann Stiftung übrigens schon seit vielen Jahren. Als früherer Senator in Berlin kennt Thilo Sarrazin ja die Probleme vor Ort. Vor dem demographischen Hintergrund brauchen wir auch weiterhin qualifizierte Zuwanderung. Es ist viel zu wenig bekannt, dass Einwanderer Arbeitsplätze schaffen, von denen auch Deutsche profitieren.

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  • Thilo Sarrazzin ist nicht pc und hat irgendwie recht.
    Günter Tielen ist pc, schleicht als Katze um den heißen brei herum und ist nicht abgeneigt, wenn der brei etwas abgekühlt ist, auch einen kräftigen Happen zu schnappen. irgendwie.
    irgenwie allerliebst und irgendwie sympatisch. Man muß Katzen mögen!

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