Gute Aussichten
Google Street View lockt die Wirtschaft

Seit dem heutigen Donnerstag ist der umstrittene Foto-Dienst Google Street View online. Viele Bürger lehnen ihn ab und haben ihr Gebäude unkenntlich machen lassen. Tourismus- und Immobilienfirmen hingegen sehen in Street View einen Umsatzbringer.
  • 0

HAMBURG. Pech gehabt. Wer auf Google Street View nach dem Münchener Büro des Suchmachinenkonzerns sucht, sieht nur eine verpixelte Hausfassade. Ein Mitmieter hat Einspruch eingelegt, und so ist das gesamte Haus im Internet nicht zu sehen. Das deutsche Hauptquartier in Hamburg hingegen ist auf Street View deutlich erkennbar: Es steht eine Gruppe jubelnder Google-Mitarbeiter davor, verkleidet, winkend. Und, so wie es sein muss, unkenntlich gemacht mit verpixelten Gesichtern.

Seit dem heutigen Donnerstag ist es soweit, Deutschlands umstrittenster Online-Dienst ist im Netz und spaltet das Land in die Pro- und Kontra-Googler. Street View zeigt Straßen und Plätze der 20 größten deutschen Städte. 244 000 Haushalte haben beantragt, ihre Häuser auf den Fotos unkenntlich zu machen. Sie sind nur als verschwommene Flecken im Straßen-Panorama zu sehen.

Während Politik und Bürger sich noch die Köpfe über den Dienst heißreden, hat die Wirtschaft ihn längst als Umsatzbringer entdeckt. Immobilienscout24 etwa hat zeitgleich mit Google seine neue Webapplikation freigeschaltet. Ein potenzieller Mieter oder Käufer kann künftig durch Straßenviertel wandern. Ist in einem der Häuser ein Objekt frei, zeigt ein Icon dies an. Weitere Informationen gibt es auf Knopfdruck. Für Marc Stilke, CEO von Immobilienscout24 Stilke ist Street View nur eine logische Erweiterung: "Wir haben bereits jetzt über 250 Millionen. virtuelle Wohnungsbesichtigungen im Jahr", sagt er. Kaufinteressenten können künftig erfahren, wie die Miet- oder Kaufpreisentwicklung in einer Umgebung ist, ob es Grünflächen gibt und wie hoch der Kinderanteil ist. Der Datenschutz soll nicht unter die Räder kommen verspricht Stilke, Preistrends etwa werden nur ausgewiesen für Gruppen mit je 1 000 Einheiten.

Kurios: Auf Street View steht das Kölner Stadtarchiv noch

Tobias Ragge, Geschäftsführer des Reiseportals HRS ist ebenfalls überzeugt: "Neben den Standarddetails wollen die Kunden umfassend über die Umgebung eines Hotels informiert werden." Besonders Geschäftsreisende verlangten danach. Rund 50 Prozent der klassischen Businesskunden buchten erst am Tag der Anreise und nur für eine Nacht. "Da will man wissen, wo man absteigt." Der Trend geht zur mobilen Buchung. "Wer in dem Hotel abends an die Rezeption geht, bekommt immer den höchsten Preise", weiß Ragge. Draußen vor dem Eingang per Smartphone gebucht, das kann viel Geld sparen.

Seite 1:

Google Street View lockt die Wirtschaft

Seite 2:

Kommentare zu " Gute Aussichten: Google Street View lockt die Wirtschaft"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%