Gute Bilanz, beißende Kritik
Klaus Kleinfelds ruhige fünf Minuten

Über Monate hinweg hat sich Siemens-Chef Klaus Kleinfeld beißende Kritik von ehemaligen Beschäftigten, den Gewerkschaften, der Politik und auch von Medien gefallen lassen müssen. Die Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr verschafft ihm etwas Luft, denn sie fiel überraschend gut aus. Doch der Spießrutenlauf ist noch nicht vorbei.

HB MÜNCHEN. „Wir haben vieles Gutes getan in den letzten Monaten“, sagte Kleinfeld. Das aber habe kaum jemanden interessiert. Am Donnerstag nun konnte Kleinfeld endlich wieder positive Nachrichten verkünden. Denn der radikale Umbau des Konzerns, für den er viel Schelte einstecken muss, trägt Früchte.

Triumphieren kann Kleinfeld aber nicht. Er wusste schon vor der Bilanz-Pressekonferenz, dass der Gewinnanstieg um 38 Prozent auf 3,1 Mrd. Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr nicht das einzige Thema sein würde. So begann er seinen Vortrag denn auch lieber freiwillig gleich mit dem Reizthema: Der Pleite von BenQ Mobile. Nur ein Jahr nach dem Verkauf an den taiwanesischen BenQ-Konzern war die ehemalige Siemens-Handysparte mit 3 000 Mitarbeitern in die Insolvenz geschickt worden. Am Abend vor der Bilanz-Pressekonferenz demonstrierten erneut BenQ-Beschäftigte mit Kerzen vor der Siemens-Zentrale. „Das Licht geht aus, man drückt uns raus“, sangen sie dazu. Sie werfen Kleinfeld vor, sie vor einem Jahr in eine ungewisse Zukunft geschickt und die Pleite billigend in Kauf genommen zu haben.

Kleinfeld verteidigte den Verkauf an die Taiwanesen. „Vieles sprach für BenQ zum damaligen Zeitpunkt.“ Die Asiaten seien die einzigen gewesen, die den Ergänzungstarifvertrag für die deutschen Werke übernehmen wollten. „Die Insolvenz des Deutschland-Geschäfts hat uns sehr überrascht.“ Die Pleite habe den Konzern „sehr betroffen gemacht“. Neue Versprechungen über den aufgelegten Härtefonds hinaus konnte er den Beschäftigten aber nicht machen.

„Ich bin überhaupt nicht nervös“

Gewerkschaftsvertretern gilt Kleinfeld, der eine Zeit lang Siemens-Chef in den USA war, als Prototyp des neoliberalen Managers, der wegen kurzfristiger Renditeerwartungen massiv Arbeitsplätze aufs Spiel setzt. „Mir ist immer wieder unterstellt worden, purer Anhänger einer kapitalmarktorientierten Politik zu sein“, nennt Kleinfeld das. Die Kritik weitete sich zum Proteststurm aus, als gleichzeitig mit der BenQ-Pleite bekannt wurde, dass der Siemens-Vorstand eine 30-Prozent-Gehaltserhöhung bekommt. Auch wenn die Anhebung für ein Jahr ausgesetzt wurde, steht Kleinfeld weiter in der Kritik. Er selbst hofft, dass sich das Image mit der Zeit relativieren wird. „Bei ein bisschen mehr Abstand wird man hoffentlich zu einer anderen Bewertung kommen.“

Dabei setzt Kleinfeld vor allem auf das kommende Frühjahr. Kurz nach seinem Amtsantritt hatte er vor anderthalb Jahren versprochen, dass bis dahin alle Geschäftsbereiche gleichzeitig die Renditeziele des Vorstands erfüllen. Das hat es bei Siemens bisher noch nicht gegeben, und viele waren skeptisch, dass alle Baustellen auf einmal geschlossen werden können. Doch auch zur Überraschung so manches Analysten bekräftigte Kleinfeld am Donnerstag die Vorgabe. Zwar lagen im abgelaufenen Geschäftsjahr 6 von 11 Bereichen unter den Margenzielen. Doch Kleinfeld ist überzeugt, dass er sein Versprechen einhalten kann: „Ich bin überhaupt nicht nervös.“

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