Gute Bilanz
Reuters gewinnt an Schwung

Der einstige Börsenstar Reuters hatte in den vergangenen Jahren an Glanz verloren. Doch nun hat der Finanzinformationsanbieter nach einer Reihe schwieriger Jahre wieder Tritt gefasst. Die Aktie kletterte nach den Jahreszahlen nach oben, die Analysten zeigten sich zufrieden. Die Rating-Agenturen jedoch waren über einen Punkt weniger begeistert.

LONDON. Die Aktie des Unternehmens stieg am Donnerstag nach der Veröffentlichung von Jahreszahlen, die über den Markterwartungen lagen. Die Zahlen zeigten, dass die Konzentration auf das Kerngeschäft greife und die Sparprogramme wirkten, sagte Finanzchef David Grigson im Gespräch mit dem Handelsblatt. Auf höhere Ausschüttungen an die Aktionäre reagierten Rating-Agenturen mit einer Herabstufung der Bonität. Analysten zeigten sich allerdings mit der Geschäftsentwicklung zufrieden.

Der einstige Börsenstar Reuters hat an Glanz verloren, seit ihm in den 90er-Jahren mit dem New Yorker Unternehmen Bloomberg ein Konkurrent heranwuchs. Die Firma des späteren New Yorker Bürgermeisters Michael Bloomberg attackierte die Dominanz der Londoner mit Finanzinformationsprodukten, die den Händlern mehr historische Daten und Analysewerkzeuge boten. Noch dazu tat sich Reuters schwer, eine Strategie für das Internet-Zeitalter mit seiner jederzeitigen Verfügbarkeit von Nachrichten zu finden. Der Börsencrash von 2001 stürzte den Konzern in die Krise.

Nach einer Reihe von Umstrukturierungen, Beteiligungsverkäufen und Sparprogrammen hat Reuters unter der Führung des US-Amerikaners Tom Glocer in die Erfolgsspur zurückgefunden. 2006 wuchs der Umsatz um fünf Prozent und für das laufende Jahr sagt Grigson sechs Prozent Wachstum voraus. Die operative Gewinnmarge fiel zwar im vergangenen Jahr von 14 auf 12 Prozent, doch das hofft Reuters schon 2007 wettzumachen. Mittelfristig strebt der Konzern 17 bis 20 Prozent an.

„Reuters macht beträchtlichen Fortschritt auf dem Weg, schlanker und schneller zu werden“, urteilt Lorna Tilbian, Analystin bei Numis Securities. Als Unternehmen mit ermutigendem Wachstum und respektablen Margen werde es wieder mehr Interesse bei Anlegern finden. Die Reuters-Aktie stieg gestern zunächst um vier Prozent, rutschte aber nach den Herabstufungen durch die Rating-Agenturen ins Minus. Seit dem Tiefpunkt Anfang 2003 hat sich der Aktienkurs mehr als vervierfacht.

Nach einer Reihe von Verkäufen, zuletzt der Börsenplattform Instinet und Factiva, einem Joint-Venture mit Dow Jones, habe Reuters jetzt die gewünschte Struktur, sagte Grigson. „Unser Kerngeschäft hat wieder zu brummen begonnen“, sagte er. Reuters ist dazu übergegangen, langfristige Rahmenverträge mit großen Banken über die Lieferung von Finanzinformationen zu schließen, statt einzelne Händlerterminals zu verkaufen. Zuletzt gelang das mit der Citigroup und mit HSBC. Solche Rahmenverträge stabilisieren den Umsatz und verringern die Abhängigkeit von Börsenschwankungen. „Man kann es auch so sagen: Es wird für die Banken schwerer, uns rauszuschmeißen“, sagte Grigson. Der Trend zur Automatisierung des Wertpapierhandels komme Reuters sehr entgegen, sagte Grigson. „Computer treiben die Handelsvolumina und wir liefern den Treibstoff für diese Maschinen.“ Reuters und Bloomberg liegen in diesem Geschäft etwa gleichauf und kontrollieren zusammen mehr als die Hälfte des Marktes. Während Reuters vor allem bei Banken Verkaufserfolge erziele, habe Bloomberg Zuwächse bei Hedge-Fonds, sagte Grigson. „Ganz sicher verlieren wir hier keine Marktanteile.“

Konzernweit setzte Reuters im abgelaufenen Jahr 2,6 Mrd. Pfund (knapp vier Mrd. Euro) um. Der Reingewinn fiel um ein Drittel auf 305 Mill. Pfund, was vor allem daran lag, dass Beteiligungsverkäufe das Ergebnis des Vorjahres aufgebläht hatten. Reuters kündigte an, die Aktienrückkäufe 2007 um bis zu 175 Mill. auf 425 Mill. Pfund zu erhöhen. Das veranlasste die Rating-Agenturen Fitch und Standard & Poor’s, ihre Bewertungen jeweils auf „BBB+“ zu senken. Auch Moody’s prüft eine Senkung. Fitch warnte, wenn Reuters die Prognosen verfehle, könne das eine weitere Herabstufung auslösen.

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