Gute Zwischenbilanz
Springer steigt ins Internet-Fernsehen ein

Der Springer-Konzern steigt nach dem Scheitern der Prosiebensat.1-Übernahme ins Internet-Fernsehen ein. Vorstandschef Mathias Döpfner gab am Mittwoch in Berlin die Gründung der Axel Springer Digital TV (Asdtv) bekannt.

dpa-afx BERLIN. Als Geschäftsführer wechselt der RTL-Manager Klaus Ebert zum 1. Januar 2007 zu der neuen Konzerntochter. Sie soll Videoinhalte vor allem für das Internet produzieren und vermarkten. Zudem gebe es Überlegungen, eigene digitale TV-Kanäle zu entwickeln. Dank sprudelnder Anzeigenerlöse steigerte Europas größtes Verlagshaus ("Bild", "Die Welt") den Gewinn in den ersten neun Monaten des Jahres um 10,9 Prozent.

Döpfner bezeichnete das Internet-Fernsehen als "interessante Alternative" zur Übernahme der Sendergruppe Prosiebensat.1, die zu Jahresbeginn am Veto der Kartellbehörden gescheitert war. "Der Bereich hält interessante Wachstumsperspektiven bereit", sagte er. Er sprach von einem "experimentellen Engagement", in dem viel ausprobiert werden solle. Über Einzelheiten des Konzepts will Döpfner erst im Sommer nach einigen Monaten der Vorbereitung und Personalrekrutierung für die neue Firma sprechen.

Ebert ist bisher Geschäftsführer und Programmchef von RTL Nord und Bereichsleiter Regionalkoordination bei RTL. Im vergangenen Jahr baute der 53-Jährige für RTL in Hamburg Europas modernste digitale Sendeabwicklung auf. Im April 2004 brachte er als Gründungsgeschäftsführer den kroatischen Sender RTL Televizija auf Sendung.

Springer steigerte den Konzernüberschuss im dritten Quartal um rund 12,5 Prozent auf knapp 61,89 Mill. Euro. Nach drei Quartalen steht nun ein Gewinn von 173,3 Mill. Euro in den Büchern.

Für das gesamte Jahr hob Döpfner die bereits zur Jahresmitte heraufgesetzte Prognose noch einmal an. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebita) werde leicht über dem des Vorjahres liegen und damit erneut Rekordhöhe erreichen. "Axel Springer kommt in allen strategischen Feldern sehr gut voran." In den ersten neun Monaten wurde das Ebita um 7,5 Prozent auf 267 Mill. Euro gesteigert. Der Zuwachs bei den Anzeigenerlösen von 3,9 Prozent habe maßgeblich zu der positiven Entwicklung beigetragen, hieß es.

Der Umsatz sank im dritten Quartal um 1,6 Prozent 563 Mill. Euro. Nach neun Monaten schrumpften die Erlöse um 1,7 Prozent auf gut 1,73 Mrd. Euro.

Von der bevorstehenden Platzierung von Springer-Aktien aus dem Portefeuille des Beteiligungsunternehmens Hellman & Friedman erhofft sich der Vorstand eine deutliche Wertsteigerung des Konzerns. Hellman & Friedman hält seit Herbst 2003 eine Beteiligung von 19,4 Prozent an Axel Springer. Etwa die Hälfte des Aktienpakets soll laut Döpfner über die Börse am Markt gestreut werden, möglicherweise zum Jahresende. Wegen des geringen Streubesitzes mit einem geringen täglichen Handelsvolumen habe der Markt den wahren Wert der Aktie bisher nicht reflektieren können, sagte Döpfner. "Deshalb ist es wichtig für uns, eine breitere Streuung zu bekommen."

Inhaber der Springer-Aktien sind die Axel Springer Gesellschaft für Publizistik (50 Prozent + zehn Aktien), Friede Springer (5 Prozent), Hellman & Friedman (19,4) und die Axel Springer AG (9,8). Im Streubesitz sind derzeit rund 15,8 Prozent.

Nach dem Aktienverkauf durch Hellman & Friedmann könnte das Börsengewicht des Springer-Konzerns nach den Worten Döpfners eventuell für Platz 30 im MDax reichen. Das hänge vom Streubesitz ab.

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