Gute Zwischenbilanz
Thomson bekommt bei Reuters mehr fürs Geld

Kurz vor der Übernahme durch die kanadische Mediengruppe Thomson geht es dem britischen Nachrichten- und Finanzdaten-Anbieter Reuters blendend. Der Gewinn in den ersten sechs Monaten des Jahres ging kräftig nach oben.

HB LONDON. Für die erste Jahreshälfte 2007 wies Reuters deutliche Zuwächse aus, wenngleich der Umsatz von negativen Währungseffekten belastet wurde. Konzernchef Tom Glocer sprach am Freitag in London von den besten Verkaufszahlen seit mehr als fünf Jahren. Besonders in Europa sowie im Nahen Osten liefen die Geschäfte „exzellent“.

Das mehr als 150 Jahre alte Unternehmen bezifferte den operativen Gewinn für die ersten sechs Monate auf umgerechnet gut 200 Mill. Euro (134 Mill. Pfund). Dies entsprach inklusive bereits entstandener Kosten für den Thomson-Deal einem Plus von 10 Prozent. Vor Sonderposten habe der Betriebsgewinn der fortgeführten Geschäfte binnen Jahresfrist gar um 36 Prozent auf 175 Mill. Pfund zugelegt. Der Umsatz stieg bereinigt um Währungseinflüsse um 6,4 Prozent auf 1,27 Mrd. Pfund. Inklusive negativer Wechselkurseffekte – die Dollar-Schwäche belastete– ergab sich allerdings ein Rückgang von 0,7 Prozent.

Analysten äußerten sich positiv über das vorgelegte Zahlenwerk sowie die Aussagen zum Fusionsprozess mit Thomson. Gleichwohl tendierte die Aktie in einem schwachen Börsenumfeld gut 1 Prozent im Minus bei 618 Pence.

Die im Mai angekündigte Übernahme durch Thomson werde voraussichtlich im September offiziell bei den europäischen Kartellbehörden angemeldet, teilte Reuters mit. Derzeit liefen die Vorgespräche. Die Kanadier hatten am Vortag bereits erklärt, dass der Zusammenschluss nach Plan laufe und die Behörden in den USA sowie Kanada ebenso involviert seien. Spätestens im ersten Quartal 2008 soll die Transaktion über die Bühne gehen. Der Verkauf von Konzernteilen sei dabei nicht vorgesehen, sagte der Reuters-Chef. Auf Grund des Verschmelzungsprozesses werde Reuters für 2007 keine Geschäftsprognose mehr veröffentlichen, fügte Glocer hinzu, der auch der fusionierten Gruppe vorstehen wird.

Der kanadische Thomson-Konzern, der sein Geld unter anderem mit Finanzdaten für Investoren sowie mit Publikationen in den Bereichen Recht, Steuern und Medizin verdient, will Reuters in einer Kombination aus Bar- und Aktienangebot für etwa 13 Mrd. Euro übernehmen. Damit soll der Weltmarktführer für Finanzdaten und Nachrichten entstehen. Der fusionierte Konzern wird einen Jahresumsatz von mehr als 8 Mrd. Euro haben.

Thomson hat rund 32 000 Beschäftigte weltweit, Reuters knapp 17 000, davon 2 400 Journalisten. Glocer sagte, in den Redaktionen könnten einige Stellen verloren gehen oder in andere Länder verlagert werden. Das Budget für die Redaktionen von Reuters, unter deren Markenname auch künftig das Geschäft mit Nachrichten und Finanzdaten geführt wird, werde nach der Fusion aber „signifikant erhöht“. Reuters und Thomson, die beide börsennotiert bleiben sollen, hatten jüngst die jährlichen Synergien auf 500 Mill. Dollar beziffert.

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