Gutes Geschäft für Netzausrüster
Mobilfunkbranche stockt Investitionen in UMTS-Netze auf

Die Telefonkonzerne geben in Westeuropa pro Jahr 20 Prozent mehr für die neue Technik aus.

DÜSSELDORF. Die Nachfrage nach Netztechnik für den neuen Mobilfunkstandard UMTS zieht an: Gestern gab Siemens einen Auftrag der italienischen Mobilfunkgesellschaft Wind mit einem Volumen von mehr als 300 Mill. Euro bekannt. Zuvor hatte der Mobilfunkkonzern Vodafone UMTS-Netze für Australien und Neuseeland bei Nokia bestellt. Und Konkurrent Ericsson verlängerte seinen Vertrag zum Ausbau des UMTS-Netzes von Mobilkom in Österreich.

Das sind einige der jüngsten UMTS-Aufträge, die nach Ansicht von Branchenkennern darauf hindeuten: Die Mobilfunkbetreiber werden ab diesem Jahr ihre Ausgaben für die neue Technik „signifikant aufstocken“, schreiben Analysten des Marktforschungsinstituts IDC in ihrer jüngsten Studie. Dieser Trend werde bis 2006 anhalten – mit jährlichen Wachstumsraten von gut 20 % in Westeuropa. Ab 2007 würden die UMTS-Ausgaben sinken.

Als Gewinner dieser Entwicklung sieht IDC den schwedischen Konzern Ericsson, der Marktführer unter den Mobilfunknetzausrüstern ist, sowie Nokia aus Finnland. Auch Siemens werde von der steigenden Nachfrage nach UMTS-Netzen profitieren und seinen Marktanteil in dem Segment ausbauen. Auf der Verliererseite – zumindest in Westeuropa – stehen laut IDC dagegen Alcatel und Motorola.

Nach Angaben der Analysten von Gartner haben sich die Aussichten für die UMTS-Netzausrüster in diesem Jahr deutlich verbessert, da ihre Kunden, die Mobilfunkgesellschaften, ihren Sparkurs lockern. Die Unternehmen hätten ihre Schulden inzwischen radikal reduziert, würden den UMTS-Netzaufbau daher nicht mehr aufschieben, sondern ihre Investitionen erhöhen.

In den vergangenen Jahren trieben die Mobilfunkbetreiber die neue Technik nur mit angezogener Handbremse voran. Sie investierten in der Regel nur das Minimum in die neue Infrastruktur, um die Auflagen der nationalen Regulierungsbehörden zu erfüllen. Offiziell haben die Unternehmen die UMTS-Netze meist erst in diesem Jahr eingeschaltet und im kleinen Stil damit begonnen, die dazugehörigen Mobiltelefone zu verkaufen.

So haben beispielsweise die schwedische Tele2 und Optimus in Portugal Anfang dieser Woche mit UMTS losgelegt, Ende Mai sind Telecom Italia Mobile und die spanische Telefónica Móviles damit an den Start gegangen.

In Deutschland preschte Vodafone D2 mit UMTS-Datenkarten für tragbare Computer im Februar vor, T-Mobile zog im Mai nach. Beide Unternehmen verkaufen inzwischen auch UMTS-Mobiltelefone – bislang aber nur jeweils ein Modell.

UMTS soll das mobile Internet schneller und bequemer machen sowie neue Angebote wie Videotelefonie ermöglichen, um die Umsätze der Mobilfunkbetreiber anzukurbeln. Die europäischen Anbieter haben vor vier Jahren mehr als 100 Mrd. Euro für UMTS-Lizenzen ausgegeben. Der Start der neuen Netze verzögerte sich immer wieder auf Grund technischer Probleme.

„Sobald die UMTS-Netze eingeschaltet sind, steigt der Investitionsbedarf“, hatte Karl-Gerhard Eick, Finanzvorstand der Deutschen Telekom bereits im vergangenen Jahr angekündigt. Von den insgesamt 1,6 Mrd. Euro, die die Telekom für UMTS für die Jahre 2003 und 2004 veranschlagt hat, wird der größte Teil dieses Jahr ausgegeben. 2003 investierte der Konzern lediglich ein knappes Drittel dieser Summe.

Die Ausweitung der neuen Netze sehen die Marktforscher von IDC als entscheidend für den Erfolg der neuen Technik an. Erst wenn UMTS nicht mehr auf die größten Städte eines Landes beschränkt sei, werde dies die Akzeptanz der Kunden erhöhen.

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