Hackathon der Verlagsgruppe Handelsblatt: Piraten für die digitale Zukunft

Hackathon der Verlagsgruppe Handelsblatt
Piraten für die digitale Zukunft

Beim ersten Hackathon von Handelsblatt und Wirtschaftswoche wurden unter dem Motto „Mission: Economy“ 48 Stunden lang neue mediale Ideen entwickelt. Heraus kamen ein Chatbot, Comic-Nachrichten und viel mehr.

DüsseldorfAnar Huseynov wollte schon immer Computerspiele entwickeln. Doch mit seinen Ersparnissen von weniger als zehntausend Euro war ihm der Einstieg ins Digitalgeschäft zunächst zu gewagt. Also startete der heute 27-Jährige vor zwei Jahren als Franchisenehmer einer Gebäudereinigungskette in Düsseldorf. Und mit den Einnahmen verwirklichte er seine Idee. Ein erstes Handyspiel hat der Aserbaidschaner mit seinem pakistanischen Geschäftspartner Majid Mahmood auf den Markt gebracht, 2.000 Downloads sind völlig ohne Marketing bereits zusammengekommen.

Zweieinhalb Tage lang saßen die beiden nun beieinander und brüteten über einer neuen Idee: Nachrichten in der virtuellen Realität. Wäre es nicht super, für diese neue, emotionale Form von Videos eine Plattform zu schaffen, auf der sie von verschiedenen Anbietern zusammengetragen werden? 48 Stunden arbeiteten die beiden beim ersten Hackathon von Handelsblatt und „Wirtschaftswoche“ an ihrem Projekt. Verstärkt wurden sie durch den Düsseldorfer Studenten Paul Tschischik. „Ich kann mir vorstellen, Gründer zu sein, und suche hier Inspiration und Kontakte“, sagte der 22-Jährige.

Unter dem Motto „Mission: Economy“ tüftelten rund 80 Journalisten, Gründer, Konzepter, Animationsexperten, Filmemacher, Entwickler und Designer gleichzeitig an einem Dutzend weiterer Ideen. Diese sollten während dieses kreativen Workshops möglichst zum Prototyp-Stadium entwickelt werden. Das Ziel: Gemeinsam und doch unabhängig neue digitale Ideen umzusetzen – und im Idealfall ein Preisgeld für die gelungene Umsetzung abzustauben. Auch SAP, Sixt oder der NDR haben das Format bereits ausprobiert.

Gleich zu Beginn schwor Dirk Herzbach, Chef der Start-up-Beratung Next Media Accelerator, auf 48 Stunden intensive Arbeit ein. „Ich möchte, dass ihr euch ein bisschen wie Piraten fühlt und auf Angriff schaltet“, verkündete er mit dem Säbel in der Hand. In einminütigen Vorträgen mussten die Ideengeber um Mitstreiter werben. Nur die Projekte, für die sich jemand begeisterte, wurden angegangen.

Vorrangiges Ziel eines Hackathons sei nicht, perfekte und sofort einsetzbare Produkte entstehen zu lassen, erklärte Léa Steinacker, Digital Scout der „Wirtschaftswoche“. „Es geht um Networking und Ideengeneration, um den Austausch von Gedanken, aber auch von Arbeitsweisen.“ Die Veranstaltung habe nicht ohne Grund im Foyer des Verlagsgebäudes stattgefunden; möglichst viele sollen von der offenen und kreativen Atmosphäre angesteckt werden. „Es ist ein Experiment, auf das wir uns freudig und neugierig eingelassen haben“, sagte Steinacker.

„In kurzer Zeit eine Idee durchzudeklinieren und vielleicht auch zu verwerfen, das ist ein tolles Verfahren“, ergänzte Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart. „Vieles, was wir nicht prämiert haben, kreist als Idee weiter in den Köpfen hier im Verlagshaus.“

Kapuzenpullis, dicht beklebte Laptops und Kabelsalat ließen tatsächlich einen Hauch von Freibeutertum durch das Verlagsgebäude wehen. Doch trotzdem ging es oft erstaunlich leise zu, zwischen Getränkeflaschen und bunten Klebezeichen wurde konzentriert und emsig gewerkelt. „Wir haben bis zwei Uhr in der Nacht gearbeitet – wir waren so euphorisch“, sagte die Designerin Mela Chu. Einige verbrachten sogar die Nächte auf zusammengeschobenen Stühlen. „Bitte nicht vor 9 Uhr stören“, hieß es auf einem Zettel an der Tür. Immer wieder wurde in den Gruppen leise und ernsthaft diskutiert, über die Bildschirme flitzten Codezeilen.

Beim Hackathon geht es aber auch darum, die Ideen schon zu einem frühen Zeitpunkt darauf abzuklopfen, ob sie Chancen bei der Zielgruppe haben. „Das ist oft die Achillesferse für Start-ups“, sagte Dirk Herzbach. „Wenn man eine Idee hat, wie sich ein Problem lösen lässt, sollte man sich zunächst fragen: Haben auch andere Leute das Problem?“ Er hielt während der gesamten zweieinhalb Veranstaltungstage Kontakt zu den Gruppen und gab Ratschläge, wie sich die Vermarktbarkeit testen lässt. „Nicht jeder Kunde ist überall“, bemerkte Dirk Herzbach. So schickte er einige Hackathon-Gruppen zu Umfragen auf die Straße. Doch das sei dann kein probates Mittel, wenn sich das Produkt beispielsweise an Unternehmenskunden richte.

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Piraten für die digitale Zukunft

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„Eine Achterbahnfahrt der Emotionen“

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