Halbjahresbilanz
Bertelsmann mit hohen Erträgen trotz sinkender Umsätze

Der Medienkonzern Bertelsmann hat im ersten Halbjahr 2013 einen besonderen Gewinn erzielt. Obwohl der Umsatz des Unternehmens gesunken ist, schloss Bertelsmann das operative Geschäft mit einem Rekordwert ab.
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GüterslohDer Bertelsmann Konzern hat trotz sinkender Umsätze im ersten Halbjahr mehr Gewinn gemacht und will nun kräftig einkaufen. „Insgesamt werden wir in den nächsten Jahren mehrere Milliarden Euro in die Umsetzung unserer Strategie investieren“, kündigte der Vorstandsvorsitzende, Thomas Rabe, am Freitag bei der Vorlage der Halbjahres-Zahlen an. Einzelheiten wollte Rabe nicht nennen. Man werde sich aber weiterhin auf kleinere Zukäufe beschränken. „Wir sind nicht an Großakquisitionen interessiert.“ Das operative Geschäft stagniert dagegen weitgehend.

Für 2013 hatte Rabe im März ein Umsatzziel von 17 Milliarden Euro und für 2014 rund 18 Milliarden genannt. Finanzchefin Judith Hartmann sprach jetzt von einer „stabilen bis leicht rückläufigen Geschäftsentwicklung“. Rabe verwies auf die aktuellen Akquisitionen, auf mögliche weitere Zukäufe und die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung. „Aber die Reiserichtung ist so, wie wir gesagt haben.“ Die Umsatzrendite, jetzt bei 10,3 Prozent, werde zweistellig bleiben.

In den ersten sechs Monaten sank der Konzernumsatz zwar um 1,9 Prozent auf 7,43 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis habe mit 768 Millionen Euro aber einen Rekordwert erreicht (1. Halbjahr 2012: 730 Millionen Euro). Unter dem Strich gab es einen Konzerngewinn von 419 Millionen Euro, im Vorjahreszeitraum waren es 350 Millionen Euro gewesen. Nach Abzug der Anteile von Fremdaktionären bleiben den Bertelsmann-Aktionären, also den Stiftungen und der Familie Mohn, 306 Millionen Euro (276 Millionen Euro).

Einmal mehr war die RTL Group das wichtigste Standbein des Konzerns. Sie erwirtschaftete trotz leicht sinkender Umsätze dank eines Sparkurses einen Nettogewinn von 418 Millionen Euro. Bertelsmann hält gut 76 Prozent der Anteile.

Auch der Verlagsgruppe Random House gelang es, trotz Umsatzminus mehr Gewinn zu machen. Der Umsatz sank von 947 auf 915 Millionen Euro, der Betriebsgewinn (Ebit) stieg von 113 auf 117 Millionen Euro. Der Zusammenschluss mit der Verlagsgruppe Penguin zum weltgrößten Publikumsverlag wurde erst zum 1. Juli vollzogen. An diesem Unternehmen hält Bertelsmann 53 Prozent.

Im Vorjahr hatten die erfolgreichen Fesselsex-Bücher der „Shades of Grey“-Reihe den Umsatz auf Rekordhöhe getrieben. Jetzt war es vor allem der Bestseller „Inferno“ von Dan Brown, der das Geschäft antrieb.

Der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr verlor auch durch die weitgehende Schließung der Wirtschaftsmedien Umsatz (1,1 statt 1,2 Milliarden Euro), konnte aber das operative Ergebnis um eine Million Euro auf 86 Millionen Euro steigern. Der Outsourcing-Dienstleister Arvato hielt den Umsatz von 2,1 Milliarden Euro, verlor aber im operativen Geschäft (Ebit) zwei Millionen Euro (84 Millionen Euro). Auch hier wirkt sich ein Zukauf, nämlich der Gothia Financial Group, noch nicht auf die Halbjahresbilanz aus.

Das Druckgeschäft bleibt in der Krise. Der BE-Printers-Umsatz sank um mehr als 50 Millionen auf 512 Millionen Euro. Ungefähr dieselbe Summe floss in die Rückstellungen für die Schließung des Standortes Itzehoe. Untern Strich ergebe das ein Minus im zweistelligen Millionenbereich. Wachsen soll dagegen die Musiksparte mit dem Rechtemanager BMG, und zwar in den nächsten Jahren von jetzt 300 auf 500 Millionen Euro, sagte Rabe.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ich weise gerne auf die Bertelsmann Tochter arvato hin, deren Geschäftsgebahren - insbesondere in deutschen Städten - längst dezidiert hinterfragt wird. Kommt das Ungemach heraus, wissen alle, warum Hr. O. damals gehen MUßTE.

  • Angesichts fragwürdiger Vertriebspraktiken (siehe Presseberichte zur Bertelsmann-Tochtergesellschaft "inmediaONE") steht Herrn Rabes Erfolg sicher auch auf "tönernen Füssen"...

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