Halbleiter-Konzerne
Infineon rechnet mit Dax-Rauswurf

Vor Problemen kann sich Infineon derzeit kaum retten: Die Wirtschaftsflaute und vor allem die Krise der Autoindustrie belasten das tag-tägliche Geschäft massiv. Dazu kommt die Insolvenz der Tochter Qimonda. Infineons Aktie ist längst ein Pennystock. Die Gewichtung im Dax beträgt nur noch rund 0,13 Prozent. An einen Verbleib im Leitindex glaubt der Konzern selbst nicht mehr.

HB MÜNCHEN. Der Aufsichtsratschef des Halbleiter-Konzerns Infineon hat wenig Hoffnung auf einen Verbleib im deutschen Leitindex Dax. "Wenn Sie sich die Zahlen anschauen, wird das schwer", sagte Max Dietrich Kley der "Süddeutschen Zeitung". "Der Kurs müsste sich schon schnell deutlich nach oben bewegen. Aber angesichts der Hauptversammlung, die aggressiv und mit wenigen guten Nachrichten verlaufen wird, ist das kaum zu erwarten." Im März entscheidet die Deutsche Börse neu über die Zusammensetzung der Indizes.

Infineon hat vor allem wegen seiner inzwischen insolventen Speicherchip-Tochter Qimonda im vergangenen Geschäftsjahr einen Verlust von rund 3,1 Mrd. Euro eingefahren. Auch das neue Geschäftsjahr lief schlecht an: Qimonda gepaart mit der Wirtschaftskrise ließen bei Infineon von Oktober bis Dezember ein Minus von mehr als 400 Mio. Euro auflaufen. Persönliche Konsequenzen will Kley jedoch nicht ziehen: "Seinen Rücktritt sollte man nie ausschließen. In einer außerordentlich schwierigen Zeit wie jetzt kann ich mich aber nicht aus der Verantwortung stehlen."

Außerdem forciert Infineon Fusionen: "Wenn wir im Puzzle auf dem Chipmarkt jemanden finden, der zu uns passt, schauen wir uns die Sache an", sagte Max Dietrich Kley. Infineon sei zwar allein gut überlebensfähig. "Wir werden aber bei der Konzentration der Branche eine aktive Rolle spielen." In der aktuellen wirtschaftlichen Lage seien Zukäufe oder Übernahmen allerdings schwer finanzierbar.

"Es wird in der Chipbranche weitere Zusammenschlüsse geben", sagte Kley. Der Bildung eines europäischen Halbleiter-Champions gegen die Übermacht der Asiaten steht Kley indes skeptisch gegenüber. "In Europa gibt es ja im Übrigen auch nicht mehr viele Chipkonzerne. Wir schauen uns natürlich auch in Asien um." Er bestätigte: "Wir haben ja seinerzeit schon mit Freescale und NXP gesprochen. Aber kurz bevor es ernst wurde, platzten die Verhandlungen." Das Problem bei dem US-amerikanischen und dem niederländischen Wettbewerber sei insbesondere die hohe Verschuldung gewesen.

Kley fordert wie Konzernchef Peter Bauer Hilfe vom Staat: "Die Frage der Förderung ist für die Zukunft der Chipbranche zentral. Wir brauchen mehr öffentliche Mittel, um zu bestehen." Die Forschungsförderung dürfe sich nicht nur auf erneuerbare Energien konzentrieren. "Wir sollten nicht vergessen, dass die Chipindustrie für viele Branchen wie Autohersteller in Deutschland eine Schlüsseltechnologie ist." Bei seinem Besuch im Bundes-Wirtschaftsministerium am Dienstag werde er hierauf hinweisen.

Infineon leidet massiv unter der Wirtschaftsflaute und hier insbesondere unter dem zusammengebrochenen Autozuliefer-Geschäft. Der Umsatz fiel von Oktober bis Dezember um mehr als ein Viertel auf 830 Mio. Euro, der Verlust lag unterm Strich bei 404 Mio. Euro. Daraufhin verschärfte der Konzern seine Sparanstrengungen, bei denen auch 3 000 der ehedem knapp 30 000 Stellen wegfallen. "Sollte die Situation sich verschärfen, sind unterschiedliche Optionen zu prüfen", sagte Kley.

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