Halbleiterbranche
Infineon spart noch mehr in der Krise

Sparen, sparen, sparen. Angesichts drastisch gesunkener Umsätze treten die meisten Chipfirmen voll auf die Bremse. Die Wirtschaftsflaute macht den Halbleiterherstellern noch mehr zu schaffen als anderen Branchen, denn die Unternehmen betreiben teure Werke, die kaum noch ausgelastet sind. Ein Paradebeispiel und dennoch kein Einzelfall: Infineon.

MÜNCHEN. Der Münchener Konzern begründet seine schlechten Zahlen im abgelaufenen Quartal zum großen Teil mit Anlagen, die viel Geld kosten, aber fast nicht mehr zum Einsatz kommen. Das Unternehmen streicht deshalb seine Investitionen im laufenden Geschäftsjahr um ein Fünftel auf 200 Mio. Euro zusammen. Insgesamt will die Firma durch die Ausweitung des Sparprogramms künftig jährlich 600 Mio. Euro mehr übrig behalten.

Infineon ist kein Einzelfall. Auch alle anderen Anbietern steht das Wasser bis zum Hals. Selbst der europäische Marktführer ST Microelectronics ist angeschlagen. Das französisch-italienische Unternehmen hat zwar in den letzten Jahren gut verdient. Trotzdem bewertet die Ratingagentur Standard & Poor?s (S&P) die Anleihen des Unternehmens seit Freitag nur noch mit BBB+ statt A-. Damit wird es teurer, sich frisches Geld am Kapitalmarkt zu beschaffen. S&P begründet die Zurückstufung mit dem zu erwartenden kräftigen Umsatzrückgang. ST hat schon vor zwei Wochen reagiert und angekündigt, 4 500 Stellen zu streichen. Auch bei den Branchenschwergewichten Intel und Texas Instruments müssen mehrere Tausend Mitarbeiter gehen.

Angesichts des katastrophalen Umfelds tut sich Infineon besonders schwer, an frisches Geld zu kommen. Denn schon in der Vergangenheit waren die Münchener weniger profitabel als die Konkurrenz. Die Firma hatte Ende vergangenen Jahres flüssige Mittel von 647 Mio. Euro in der Kasse. Vor Jahresfrist waren es noch mehr als eine Mrd. Euro. Dem stehen kurzfristig fällige Verbindlichkeiten von 212 Mio. Euro gegenüber (Vorjahr: 319 Mio.) sowie langfristige Verbindlichkeiten von 860 Mio. Euro (1,4 Mrd.). Infineons Hauptaugenmerk liegt nun darauf, das Geld beisammenzuhalten und frisches Kapital einzusammeln. Doch das ist alles andere als einfach, wie Finanzchef Marco Schröter sagt. "Die Gespräche mit den Banken sind super schwierig." Dass Infineon letztlich das gleiche Schicksal wie der Pleite gegangenen Tochter Qimonda droht, glauben jedoch die wenigsten Experten. "Der Staat wird schon einspringen", sagt SEB-Analystin Oana Floares. Es handele sich schließlich um einen Dax-Konzern. Auch Malte Schaumann von SES Research sieht die Regierung im Ernstfall zur Hilfe bereit. Darüber hinaus sollen die Aktionäre auf der Hauptversammlung eine Kapitalerhöhung genehmigen, die bis zu 450 Mio. Euro einbringen könnte.

Ob und in welchem Umfang sich Infineon derzeit um Staatshilfen bemüht, dazu schweigt Konzernchef Peter Bauer. Grundsätzlich seien die Konjunkturpakete und der Schutzschirm für die Banken sehr positiv, denn es sei derzeit schwierig, Kredite von Banken zu bekommen, meinte er bei der Vorlage der Quartalszahlen am Freitag.

Der Umsatz von Infineon ist im letzten Quartal im Vergleich zu den drei Monaten davor um 28 Prozent auf 830 Mio. Euro eingebrochen. Das Ergebnis der fünf Konzernbereiche rutschte mit 102 Mio. Euro ins Minus. Im Wesentlichen durch eine Rückstellung für mögliche Schäden aus der Qimonda-Insolvenz lag der Verlust unterm Strich bei 404 Mio. Euro. Angesichts des unsicheren Umfelds könne der Konzern einen weiteren Stellenabbau nicht ausschließen, meinte Vorstandssprecher Bauer. Der Manager hatte im Juli angekündigt, etwa 3 000 Stellen streichen zu wollen. Im laufenden zweiten Quartal des Geschäftsjahrs rechnet Infineon damit, dass der Umsatz noch einmal um zehn Prozent sinkt. Während es in den Sparten Auto und Mobilfunk besser laufen soll, erwartet der Konzern Probleme im Geschäft mit Industrieanwendungen und der drahtgebundenen Kommunikation. Damit steht jetzt schon fest, dass wieder ein Verlust aufläuft.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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