Halbleiterhersteller
Elpida bedient sich bei Qimonda

Die Aufspaltung des insolventen Halbleiterherstellers Qimonda beginnt. Der Konkurrent Elpida steht kurz davor, die Grafiksparte der Münchener zu übernehmen. Dies teilte das japanische Unternehmen gestern mit. Details nannte Elpida nicht.

MÜNCHEN. Ein Sprecher von Qimonda-Insolvenzverwalter Michael Jaffé erklärte: „Die Verhandlungen mit einem potenziellen Investor für den Bereich Graphics laufen.“ Konkreter wollte auch er nicht werden.

Im Umfeld von Qimonda hieß es, der Vertrag könne frühestens Ende dieser Woche unterschrieben werden. Die Japaner übernehmen demnach Patente und Lizenzen für einen Betrag, der sich maximal im niedrigen zweistelligen Millionen-Bereich bewegt. Elpida will zudem ehemalige Mitarbeiter des Speicherchip-Produzenten einstellen. 45 Ex-Beschäftigte des Konzerns würden bereits in München für Elpida arbeiten.

Qimonda musste im Januar angesichts hoher Verluste Insolvenz anmelden. Alle Hoffnungen, die einstige Infineon-Sparte komplett an Chinesen oder Russen zu verkaufen, sind inzwischen geplatzt. Deshalb arbeitet Insolvenzverwalter Jaffé an der Zerschlagung. Derzeit arbeiten noch rund 200 Beschäftigte im einstigen Qimonda-Werk in Dresden, bis Jahresende sollen es nach Angaben eines Sprechers noch 100 sein. Auch in München ist ein letzter Rest an Halbleiter-Spezialisten übrig geblieben.

Die ersten kleineren Pakete von Werkzeugen und Laboreinrichtungen seien bereits verkauft, hieß es in Unternehmenskreisen. Für größere Maschinen würden den Sommer über Angebote eingeholt. Auch der Kernbereich des Speicherchipherstellers, eine neue Konstruktions- und Produktionstechnik, werde inzwischen angeboten. Dafür gebe es zahlreiche Interessenten. Die jeweiligen Verkaufsentscheidungen durch den Gläubigerausschuss würden aber noch Monate dauern und womöglich erst im kommenden Jahr fallen.

Elpida kennt Qimonda gut, hatten die Konzerne doch noch im Frühjahr 2008 eine Kooperation vereinbart. Angesichts der riesigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Deutschen ist daraus aber nie etwas geworden.

Auch Elpida selbst geht es nicht besonders gut: Im abgelaufenen Quartal ist ein Verlust von umgerechnet rund 325 Mio. Euro aufgelaufen. Im Herbst werde der Konzern nach sieben Quartalen mit Verlusten aber wieder in die Gewinnzone zurückkehren, sagte gestern Präsident Yukio Sakamoto: „Je nachdem wie stark die Nachfrage ausfällt, könnten wir eine kräftige Erholung erleben.“ Weil die Hersteller ihre Produktion gekürzt haben, sind die Preise für die sogenannten Dram-Chips in den vergangenen Wochen geklettert.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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