Halbleiterproduktion
Indien wartet auf den ersten Investor

Bislang existieren Chipfabriken in Indien nur auf dem Papier - wie das Projekt von Infineon und Hindustan Semiconductor. Die großen Halbleiterproduzenten zögern bislang noch, auf dem Subkontinent zu produzieren. Dabei würde sich ein Werk in Indien allein schon für den lokalen Markt lohnen.

BANGALORE. Es ist fast genau ein Jahr her, da hat Infineon zusammen mit seinem indischen Partner Hindustan Semiconductor eine Absichtserklärung unterzeichnet. Der Inhalt des Papiers: Die Deutschen liefern die Produktionstechnologie für ein neues Chipwerk von Hindustan in Indien. Bis heute steht allerdings in den Sternen, ob die geplante Fabrik jemals gebaut wird, weil sich keine Geldgeber finden.

So wie das Projekt von Hindustan und Infineon, so existieren bislang auch alle anderen Chipfabriken in Indien nur auf dem Papier. Zehn Projekte gebe es, heißt es beim Halbleiterverband Semi. Doch noch rollt nirgends der Bagger. Und in der geplanten Fab-City in Hyderabad werden zunächst einmal nur Fabriken für Solarzellen entstehen. Die arbeiten zwar auch mit Silizium, sind aber deutlich günstiger als Halbleiterwerke.

"Wenn einmal bewiesen ist, dass sich in Indien Chips fertigen lassen, dann werden zehn Firmen auf der Matte stehen", sagt allerdings Infineon-Manager Benno Fritzler. Nur: Den einen Investor, der mutig voranschreitet, den gibt es bislang nicht, und so halten sich auch alle anderen Anbieter zurück.

Die Skepsis der großen Halbleiterproduzenten ist nicht ganz unbegründet. Denn Indien hat keine Erfahrung mit der Elektronik-Produktion. "In den vergangenen Jahren gab es im Dienstleistungsgeschäft so viel Geld zu verdienen, da gab es keinen Grund, um in die Produktion einzusteigen", sagt Azim Premji, Chef des indischen IT-Dienstleisters Wipro.

Dies zeigt sich auch in der Halbleiterindustrie. Fast alle großen Chipkonzerne sind in Indien vertreten - allerdings nicht mit Fabriken, sondern mit Designabteilungen. Dort entwerfen Ingenieure neue Chips oder basteln an Software. Allein Infineon beschäftigt in der indischen IT-Metropole Bangalore 600 Mitarbeiter. Ein großer Teil davon schreibt Programme für die Kommunikationssparte des Münchener Konzerns.

Indiens Rivale China ist da wesentlich weiter. In der Volksrepublik sind in den vergangenen Jahren zahlreiche Chipwerke entstanden. Schanghai zählt inzwischen zu den größten Halbleiter-Standorten der Welt. Die meisten Unternehmen wurden dabei von Chinesen aufgebaut, die aus dem Ausland zurückkamen. Oder es waren Taiwaner, die auf dem Festland investieren wollten.

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