Handelsblatt-Event
Die Wiederentdeckung des aufrechten Gangs

Wie wandelt sich unsere Orientierung in der digitalen Transformation? Das „Pop-Up-Studio“, ein Team aus Handelsblatt-Redakteuren und Kreativen der Agentur Huge, spricht mit Experten über TomTom, Google Maps und Co.

Wer an einen unbekannten Ort fährt, gibt das Ziel auf seinem Smartphone ein und schon erscheint eine Karte auf dem Display, die uns zu der gewünschten Adresse führt. Digitale Innovationen machen das Leben in vielen Punkten einfacher, nehmen dem Menschen aber gleichzeitig einen Teil seiner Eigenständigkeit.

Klassische Navigationsgeräte oder gar Faltkarten verkommen immer mehr zum Nostalgieobjekt. Die digitale Transformation hat den Orientierungssinn des Menschen auf ein Minimum reduziert. Auch der Markt hat sich im Zuge dessen verändert.

Wie wandelt sich unsere Orientierung in Zeiten der digitalen Transformation? Das ist die Frage, die sich das „Pop-Up-Studio“ am dritten Tag stellt. Dabei handelt es sich um ein ungewöhnliches Format, eine Mischung aus Konferenz und Recherche-Reise. Intensive Gespräche dienen dazu, Themen aufzugreifen und sie durch den Filter verschiedener Perspektiven laufen zu lassen. Dabei entsteht zu jeder These eine Gegenthese und zu jedem Blickwinkel eine andere Herangehensweise.

Mit dabei sind Robert Kortenhoeven und Nina Vöge, die früher bei Nokia und TomTom gearbeitet haben. Zwei der vier großen Player der Kommunikationsbranche im Bereich Navigation. Bei den anderen beiden handelt es sich um Google mit dem Kartensystem Maps und Apple mit CarPlay.

Der Navigationsmarkt steht vor seinem eigenen „Heiligen Gral“. Die Weiterentwicklung selbstfahrender Autos wird den Markt neu ordnen. An dieser Innovation arbeitet TomTom schon seit längerem mit Volkswagen zusammen. Auch Google und Apple entwickeln eigene Modelle.

Kortenhoeven glaubt, dass die Zukunft des autonomen Fahrens nicht nur den Navigationsmarkt revolutionieren werde, sondern auch den Menschen selbst: „Irgendwann wird man sich nur noch in sein Auto setzen und sagen, wo man hin will. Und das war's.“ Orientierung werde keine Rolle mehr spielen.

Die Überflutung mit Daten in der digitalen Welt, zwingt den Menschen dazu, die Informationen einzudämmen, wo er nur kann. Wie sich das anfühlt, hat der Filmemacher Gregor Hochmuth in seinem Projekt „The Network Effect“ ausprobiert.

Durch soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter, YouTube und WhatsApp herrscht eine permanente Reizüberflutung und Informationsüberfluss. Eine Lawine an Eindrücken und Momenten, die der Mensch gar nicht bewältigen könne, meint Hochmuth. In dem Kunstprojekt „The Network Effect“ gelangt der Konsument über Klicks zu immer anderen, skurrilen Ausschnitten aus Bewegtbild, Text, Zahlen und Audio. „Die Videos aktivieren unseren Voyeurismus, die Soundaufnahmen locken uns mit Geheimnissen, die Daten versprechen eine Art Allwissenheit“, sagt Hochmuth.

Mit dem Projekt will Hochmuth zeigen, dass es mehr Tools für die Orientierung in der digitalen Welt braucht, damit die Komplexität der Masse an Informationen den Menschen nicht zerreibt. Er ist davon überzeugt, dass uns das Netz vom Menschsein abkoppelt. „Die begrenzten Darstellungsformen in sozialen Netzwerken machen uns nicht zu Individuen, sondern zur gesichtslosen Masse. Und damit fehlt vor allem eins: Orientierung.

Drei Tage lang ist das „Pop-Up-Studio“ quer durchs Rheinland gereist, um dem Wandel des Reisens in einer digitalen Welt zu ergründen. Mit dabei waren die Deutsche Telekom, TrevoTrend, Trivago, Airbnb und Volunteerworld. Am Donnerstagabend stellt das „Pop-Up-Studio“ seine Ergebnisse im Düsseldorfer Ständehaus in einer anderthalbstündigen Show vor.

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