Handelsblatt-Gespräch
„Wir müssen verzichten und straffen“

Der neue ARD-Vorsitzende Thomas Gruber über Sparen, die private Konkurrenz, Harald Schmidt und seine Lieblingssendung. Ein Handelsblatt-Interview.

Der neue Vorsitzende der ARD, Thomas Gruber, warnt davor, den öffentlich-rechtlichen Senderverbund zur „AOK des Fernsehens“ werden zu lassen. „Nur Grundversorgung im Sinne von ’Gesendet wird, was sein muss’ ist nicht das Ziel“, sagte er dem Handelsblatt, „wir müssen auch massenattraktive Programme machen.“

Handelsblatt: Herr Gruber, seit dem Jahresanfang sind Sie Vorsitzender der ARD, des größten öffentlich- rechtlichen Senderverbunds in Europa. Ein glücklicher Tag für Sie?
Gruber: Ich würde nicht von einem glücklichen Tag sprechen. Der Vorsitz ist eine Herausforderung. Bei der ARD handelt es sich um neun autonome Anstalten mit unterschiedlicher Geschichte, unterschiedlichen Strukturen und Finanzausstattungen. Mein Ziel ist, dass die ARD wieder mehr als Gemeinschaft wahrgenommen wird.

Bei aller Liebe zur Gemeinschaft – Ihr Job wird es doch vor allem sein, den Rotstift anzusetzen?


Gruber: Ich bin gelernter Diplom- Kaufmann, dazu noch aus Schwaben. Das sind doch keine schlechten Voraussetzungen für den neuen Job an der Spitze der ARD. Ich weiß, was Geld wert ist. Es stimmt: Wir müssen verzichten und straffen.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Peer Steinbrück hat kürzlich von den Öffentlich-Rechtlichen mehr Reformwillen verlangt. Gibt es aus Ihrer Sicht einen Reformstau bei der ARD?
Gruber: Ich glaube nicht. Ein System muss sich verändern, wenn sich dessen Rahmenbedingungen ändern. Das heißt nicht, dass vorher etwas versäumt wurde. Wir haben uns kontinuierlich weiterentwickelt. Aktuell steht eine Reihe von Reformen an, die wir engagiert vorantreiben.

Wenn Sie reformieren und sparen müssen, warum steigen Sie dann nicht beim Kulturkanal 3Sat aus? Ihre Kollegen vom ZDF würden sich sehr freuen.
Gruber: Unsere Aufgabe ist nicht, dem ZDF Freude zu machen. Für uns hat es keinen Sinn, dem ZDF zusammen mit den Schweizern und den Österreichern 3Sat alleine zu überlassen. Im Übrigen vergessen manche Länderchefs, dass die ARD ihren Satellitenkanal Eins Plus 1994 eingestellt hat, um sich an 3Sat zu beteiligen. Ein Ausstieg bei 3Sat kommt nicht in Frage.

Werden Sie dann zumindest Ihren bayerischen Bildungskanal BR-alpha einstellen?
Gruber: Nein, warum sollten wir?

Weil er überflüssig ist.
Gruber: Das sagen Sie ! An der Wichtigkeit des Themas Bildung besteht ja wohl kein Zweifel. Wer sich mit den Pisa-Studien auseinander setzt, wird einsehen, dass dieses Land mehr für die Bildung tun muss. BR-alpha ist dafür in besonderer Weise prädestiniert. Andererseits müssen wir unsere Kosten reduzieren. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass wir für BR-alpha neue Partner finden. Wir kooperieren ja bereits mit dem SWR und den Kollegen vom ORF. Aber ich kann mir auch andere Gesellschafter vorstellen.

Wie viel kostet eigentlich so ein Minisender, dessen Programme oftmals nur von ein paar Tausend Menschen gesehen werden?
Gruber: Der Etat von BR-alpha beläuft sich auf 18 Millionen Euro im Jahr. Aus den Rundfunkgebühren bekommen wir lediglich drei Millionen Euro. Den Rest müssen wir durch Umschichtungen im BR aufbringen.

Wie sparen Sie derzeit im eigenen Sender, dem Bayerischen Rundfunk?
Gruber: Wir prüfen alle Bereiche des Senders. Vor drei Jahren haben wir das Reformprogramm „Opus“ begonnen. Opus steht für: Organisation, Produkte, Unternehmensziele, Strategien.

Können Sie ein Beispiel ihrer Sparbemühungen nennen?
Gruber: Bei unserer Fernsehproduktion führen wir eine budgetwirksame interne Leistungsverrechnung ein. Künftig können Produktionsaufträge auch an Privatfirmen außerhalb des Bayerischen Rundfunks vergeben werden, wenn der eigene Betrieb nicht konkurrieren kann.

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