Handy-Anwendungen
Gefährliche Konkurrenz für Apples Apps

Die Gründerzeit bei den Apps geht schon wieder zu Ende. Denn neben Googles Android machen auch die webbasierten Anwendungen dem Kultkonzern bald Konkurrenz. Der Markt wird immer größer - auch Deutsche mischen mit.
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DüsseldorfErfolgsgeschichten aus der Internetbranche beginnen meistens in Amerika. Diese nicht. Es geht um ein kleines Büro in Berlin-Mitte. Man erreicht es nur durch einen schmalen Hauseingang, den offenbar ein wahnsinnig gewordener Street-Art-Künstler vollständig mit Filzstiftgraffiti zugemalt hat. Im ersten Stock, hinter einer Holztür: offene Drahtschächte auf Deckenhöhe, in denen bündelweise Datenkabel verlaufen, weiß getünchte Wände, Gemeinschaftsschreibtische. Hier, bei der Firma Shape Minds and Moving Images, arbeiten Programmierer und Designer an neuen Animationen, einige von ihnen haben im Hintergrund ihren Facebook-Account geöffnet. An der Wand hängen Goldene Schallplatten der Rock-Gruppe "Sportfreunde Stiller".

Uwe Flade, 39, hat früher sehr erfolgreich als Regisseur für Musikvideos gearbeitet. Er ist geschäftsführender Gesellschafter der jungen Firma, die derzeit auf den verschiedenen Rankings des App-Stores große Erfolge feiert. Ihre "Schlaf-gut-App", ein virtuelles Einschlafbuch für Kleinkinder, ist ein Verkaufsschlager: bestverkaufte Buch-App in Deutschland, bestverkaufte Buch-App in Amerika, Platz eins in Italien und Australien. "Millionär wird man dabei nicht", sagt Flade. Im App-Store bezahlt man für die iPad-Version 2,39 Euro. "Aber die Kosten waren nach einem Monat schon wieder drin, und alles, was jetzt noch kommt, ist eine tolle Draufgabe."

Die Idee zur Buch-App für Kinder hatte Heidi Wittlinger, Designerin und selbst Mutter einer zweijährigen Tochter. "Einschlafen ist immer ein Problem", sagt sie. Eltern wissen, dass kleine Kinder abends Rituale brauchen, um gut ins Bett zu kommen. Erst Abendessen, dann Zähneputzen, dann Vorlesen, dann das Gute-Nacht-Lied, das ist der Kinderabend-Rhythmus.

Heidi Wittlingers App ist so etwas wie die digitale Schwester der Gute-Nacht-Geschichte. Öffnet man das Programm, ist ein kleiner Zeichentrick-Bauernhof zu sehen. In den Fenstern brennt Licht. Das Kind kann per Fingerdruck die Menschen und die Tiere des Hofs ins Bett bringen. Wenn auf dem Bauernhof Nachtruhe herrscht, ist es auch für die Kinder Zeit, schlafen zu gehen. "Man kann dann sagen: Kuck, die Tiere schlafen auch", sagt Wittlinger. Dass es funktioniert, wissen mittlerweile viele Tausend Nutzer weltweit.

Noch vor drei Jahren wussten nur Eingeweihte etwas mit dem Begriff "App" anzufangen, aus dem seither ein Milliardengeschäft wurde. Im Jahr 2010 wurden etwa vier Milliarden Dollar Umsatz mit den Apps erwirtschaftet. Laut einer Prognose des US-Marktforschungsinstituts Gartner sollen es im Jahr 2011 schon mehr als 15 Milliarden Dollar sein.

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  • Bitte korrigieren: Die "Technological Review" heißt in Wahrheit "Technology Review". Dafür ist lobenswerterweise "Massachusetts" korrekt buchstabiert. :-)

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