Handy-Euphorie des Jahres 2000 war ausschlaggebend
Auktion im Zeichen des Aktienbooms

Die Lizenzen für den neuen, superschnellen Mobilfunkstandard kosteten die Netzbetreiber vor fünf Jahren viel Geld. Weitere Milliarden gingen für den Aufbau der Infrastruktur drauf. Einziger Gewinner ist bislang aber Bundesfinanzminister Eichel.

BERLIN. Die einzige Ankündigung vor der UMTS-Lizenzversteigerung, die eingehalten wurde, stammte von Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD): Er setzte gegen alle Begehrlichkeiten aus Politik und Wirtschaftsverbänden tatsächlich durch, dass der Auktionserlös – 50 Mrd. Euro – komplett zum Schuldenabbau des Bundes verwendet wurde. Andere Voraussagen haben sich als zu optimistisch erwiesen: 750 000 neue Arbeitsplätze bis 2010 erträumte sich der damalige Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos). Einen Boom bei den Netzausrüstern weissagten viele Analysten – und sahen nach den Mobilfunkern auch die Netzhersteller in die Krise stürzen.

Fast drei Wochen und 173 Bieterrunden hatte vor fünf Jahren die Versteigerung in einer ehemaligen Kaserne in Mainz gedauert. Es war die Show eines ansonsten ereignisarmen Sommers. Jeden Abend zeigte die „Tagesschau“ das Bild einer großen Stoppuhr, die der damalige Telekom-Regulierer Klaus-Dieter Scheurle zum Start der nächsten Bieterrunde drückte. Tag für Tag ließen sich die Teams von erst sieben, später sechs Unternehmen um 8.00 Uhr von Scheurle in der Kaserne einsperren. Nur verbunden über gesicherte Telefonleitungen zum eigenen Unternehmen mussten sie bis 18.00 Uhr Gebote abgeben – bewacht selbst in der Pinkelpause, damit sich niemand absprechen konnte.

Vermutlich hätte dies ohnehin keiner gewagt, denn die Strafe war drakonisch: Ausschluss von der Auktion, bei Zahlung des letzten Gebotes als Strafe. Am 17. August 2000 schließlich hatten sechs Unternehmen für jeweils über 16 Mrd. DM das Recht ersteigert, für weitere Milliarden ein hochmodernes Mobilfunknetz bauen zu dürfen, nach dem Standard UMTS.

Finanzielle Reserven, um das Netz wirklich zu bauen, hatten allerdings nur die damals bereits etablierten Mobilfunknetzbetreiber: die Telekom-Tochter T-Mobile, Vodafone-D2, E-Plus und die noch während der Auktion von British Telecom komplett übernommene Viag Interkom, heute O2. Die Newcomer im deutschen Netzbetreibermarkt, Telefónica und Mobilcom, mussten aufgeben. Mobilcom hatte sich völlig übernommen und wäre ohne eine Bundesbürgschaft im dreistelligen Millionenbereich 2003 Pleite gegangen.

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