Handy-Hersteller
Motorolas Weltmarktanteil sinkt dramatisch

Nokia baut den Vorsprung aus, Wechsel an der zweiten Position, Apples iPhone schafft den Sprung in die Statistik: Das renommierte Marktforschungsinstitut Gartner hat die Zahlen für die Weltmarktanteile der großen Handy-Hersteller im dritten Quartal veröffentlicht. Besonders bemerkenswert an ihnen ist die andauernde Talfahrt des US-Konzerns Motorola.

STOCKHOLM. Das Unternehmen lag noch vor einem Jahr mit einem Weltmarktanteil von 20,7 Prozent auf dem zweiten Platz hinter Nokia aus Finnland. Jetzt überflügelte der südkoreanische Handy-Hersteller Samsung den Konkurrenten aus den USA. Samsung legte im Vergleich zum vergangenen Jahr um 2,3 Prozentpunkte auf einen Weltmarktanteil von 14,5 Prozent zu, während Motorola von 20,7 auf 13,1 Prozent abstürzte.

"Motorola ist im Vergleich zur Situation vor einem Jahr nur noch ein Schatten seiner selbst“, sagte Gartner-Analystin Carolina Milanesi. Dem Unternehmen fehle nach dem früheren Erfolg mit seinem Razr-Handy ein lukratives Produktsortiment.

An der Spitze bleibt dagegen alles beim Alten: Der Branchenprimus Nokia hat im dritten Quartal seine Führung vor der Konkurrenz sogar noch ausgebaut, kommt jetzt auf einen Marktanteil von 38,1 Prozent. Mit 110 Mill. Geräten verkauften die Finnen darüber hinaus mehr Handys in den vergangenen drei Monaten als Samsung, Motorola, Sony Ericsson und LG zusammen.

Trotz gesunkenen durchschnittlichen Verkaufspreises pro Mobiltelefon verdiente Nokia zuletzt sogar noch mehr an seinen Handys: Durch die großen Stückzahlen profitiert der finnische Konzern wie kaum ein Konkurrent von der kostengünstigen Massenproduktion.

Ein Stockholmer Analyst, der namentlich nicht genannt werden wollte, geht bei dem von Gartner errechneten Nokia -Weltmarktanteil von einer zu vorsichtigen Schätzung aus. "Wir sehen Nokia bei ungefähr 40 Prozent“, sagte er dem Handelsblatt am gestrigen Dienstag. Die Schätzungen der Marktforscher sind relativ ungenau, da sie die von den Herstellern gemeldeten Verkaufszahlen mit einer Prognose über den erwarteten Gesamtmarkt zusammen bringen. Im dritten Quartal beziffern die Gartner-Experten den globalen Handy-Markt auf 289 Mill. verkaufter Geräte. Das sind 15 Prozent mehr als vor einem Jahr. Wegen des traditionell starken Weihnachtsgeschäfts rechnet Gartner bis zum Jahresende noch einmal mit einem Anstieg von zehn bis 15 Prozent.

Die stärksten Zuwachsraten mit einem satten Plus von 26 Prozent hatten die Handy-Produzenten im asiatisch-pazifischen Raum. Auch in Osteuropa, dem Nahen Osten und Afrika war die Nachfrage nach Handys groß. In Westeuropa verkauften die Hersteller 47,2 Millionen Geräte, ein Plus von knapp 15 Prozent.

Das mit enormer medialer Begleitung im Sommer in den USA auf den Markt gebrachte iPhone des US-Konzerns Apple schaffte erstmals den Sprung in die Statistik: Die in den USA seit Ende Juni verkauften 1,4 Mill. iPhones reichten für 2,5 Prozent Marktanteil in den USA. Für Europa, wo das iPhone in Deutschland, Großbritannien und ab Donnerstag auch in Frankreich verkauft wird, dürfte es nach Meinung der Experten schwieriger werden, den etablierten Herstellern Marktanteile abzujagen. Dennoch gehen sie davon aus, dass das Apple -Handy das Interesse an Multimediageräten steigern werde.

Im kommenden Jahr wollen Hersteller mit Nokia an der Spitze verstärkt Handys mit Navigationssystemen anbieten. Nach Meinung von Analysten könnten die neuen Geräte die Kaufbereitschaft bei vielen Verbrauchern stimulieren.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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