Handy-Software
Apple überholt Microsoft

Apples Betriebssystem OS X hat Microsofts Windows überholt – zumindest bei den Mobiltelefonen. Im dritten Quartal 2008 zog das iPhone erstmals an der versammelten Windows Mobile 6.x Konkurrenz vorbei auf den dritten Platz der Smartphone-Hitliste. Doch das Weihnachtsquartal wird wieder alles durcheinanderwirbeln. Die großen Unbekannten: Googles G1-Phone und die Rezession.

DÜSSELDORF. Mit einem Marktanteil von 12,9 Prozent bei den Smartphone-Betriebssystemen zog das iPhone im dritten Quartal 2008 erstmals an Windows Mobile 6.x mit 11,1 Prozent vorbei auf den dritten Platz hinter Symbian (Nokia) mit 49,8 Prozent und Blackberry (Rim) mit 15,9 Prozent. Das berichtet die Gartner Group. Die Verschiebungen spielen sich dabei vor einem schwachen Gesamtmarkt ab. Weltweit wurden im Quartal insgesamt 36,5 Millionen Smartphones verkauft. Das entspricht einem Zuwachs von nur 11,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und damit dem geringsten Quartalswachstum seit Beginn der statistischen Beobachtung des Marktsegments.

Der Verdrängungswettbewerb wird angesichts zurückhaltender Käufer also zunehmen. „Das Wirtschaftsklima hat negative Folgen für die Verkäufe von hochwertigen Endgeräten“, folgert Roberta Cozza, Prinzipal Analyst bei Gartner. „Für die Zukunft rechnen wir mit kontinuierlichem, aber geringerem Wachstum. Obwohl viele Mobilfunkbetreiber Smartphones bezuschussen um die Kosten gering zu halten, binden sie ihre Kunden immer noch mit Verträgen zu monatlichen Festpreisen, die immer noch zu teuer für den durchschnittlichen Nutzer sind.“

Das Weihnachtsquartal wird das Machtgefüge erneut durcheinanderwirbeln. Während Apple versucht, mit der Ausweitung der Vertriebswege auf Massen-Händler wie Best Buy und Wal Mart weitere Zielgruppen im Geringverdiener-Segment zu erreichen, wird Googles G1-Smartphone sein erstes vollständiges Verkaufsquartal ausweisen. HTC, Hersteller des G1, hat erst Ende November die Absatzprognose bis Jahresende von 600 000 auf 1 Millionen Stück alleine in den USA nach oben korrigiert.

Die Markteinführung des G1 in Europa und vor allem China – vermarktet vom größten Anbieter China Mobile - wird für 2009 erwartet. Das trifft Apple hart: Steve Jobs setzt große Hoffnungen auf den chinesischen Markt. Analysten wie Gene Munster von Piper Jaffray stützen ihre sehr optimistischen Prognosen von bis zu 45 Millionen verkauften iPhones in 2009 nicht zuletzt auf den erhofften Eintritt in den chinesischen Markt.

Aber auch Microsoft kann noch hoffen. HTC aus Taiwan ist mittlerweile mit 4,5 Prozent Marktanteil der größte Anbieter von Windows Mobile-Geräten und erwartet auch hier stark steigende Absatzzahlen: drei Millionen statt zwei Millionen Stück der im Mai eingeführten „Touch Diamond“-Modelle ist jetzt die Vorhersage bis Jahresende. HTC hat es als einer der wenigen Anbieter verstanden, dem betagten Betriebssystem eine attraktive Benutzeroberfläche mit Berührungsbildschirm zu verpassen. Die größten Problem kommen auf Nokia zu: die iPhone-Antwort der Finnen, das gerade in Barcelona vorgestellte N97, verpasst das Weihnachtsgeschäft und wird erst Mitte 2009 erwartet, dann, wenn auch Googles G1 in Europa Fuss gefasst hat und die Rezession ihren Höhepunkt erreicht haben könnte.

Ausschlaggebend, so Gartner, wird im kommenden Jahr nicht zuletzt die Verfügbarkeit von zusätzlicher Software für die mobilen Surfstationen sein. Apple hat hier mit seinen Software-Shop AppStore bereits einen schwer einholbaren Vorsprung: über 300 Millionen Programme haben iPhone-Nutzer seit Juli aus dem Web geladen. Kein anderer Anbieter kann hier etwas Vergleichbares gegenhalten. „Das Softwareangebot wird 2009 eine strategische Schlüsselkomponente für den Erfolg“, iat Gartner-Analystin Cozza sicher.

Hier ist auch der Flaschenhals für die Nummer zwei, Blackberry. Für das neue ausdrücklich für den Privatkundenmarkt bestimmte Touchscreen-Smartphone Storm ist derzeit praktisch keine Zusatzsoftware verfügbar. Außerdem scheinen sich bereits Lieferangpässe für das Weihnachtsgeschäft abzuzeichen: in Vodafone-Stores werden momentan auf Anfrage Lieferzeiten für das Storm von bis zu 14 Tagen genannt. Das wird knapp für den Gabentisch.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%