Handybranche
E-Plus ringt um den Anschluss

E-Plus könnte der große Verlierer aus der Auktion um neue Mobilfunk-Frequenzen hervorgehen. Dem kleinsten deutschen Netzbetreiber fehlt eine finanzstarke Mutter, um im Wettbewerb den Anschluss zu behalten. Ohne umfangreiche Datennetze wird es schwer, im Markt zu bestehen.

DÜSSELDORF. Die anstehende Auktion ist vor allem für ein Unternehmen eine ernste Gefahr: E-Plus. Die Tochter der niederländischen KPN ist gemessen am Umsatz der kleinste der vier deutschen Netzbetreiber. Anders als O2, Nummer drei und Tochter des spanischen Telekomriesen Telefónica, fehlt E-Plus eine finanzstarke Mutter im Hintergrund. Der kleinste Anbieter muss deshalb damit rechnen, in der Auktion von O2 überboten zu werden und am Ende womöglich ohne die lukrativen neuen Frequenzen dazustehen.

„E-Plus würde deshalb nicht vom Markt verschwinden“, sagt Analyst Frank Rothauge von Sal. Oppenheim. „Aber sie würden den Anschluss an den Wettbewerb verlieren.“ Wachstum wird im gesättigten deutschen Markt künftig nur noch mit mobilen Datendiensten möglich sein, nicht aber mehr mit gewöhnlichen Telefonaten. Derzeit erzielen deutsche Mobilfunker zwar erst zehn Prozent ihres Umsatzes mit Daten wie E-Mails oder Verbindungen ins Internet. Das Beispiel Österreich zeigt aber, wohin die Reise geht: Dort nimmt Marktführer Mobilkom schon 35 Prozent des Umsatzes mit Daten ein.

Die Niederländer von KPN haben in der Vergangenheit bereits bei Investitionen in das deutsche Netz gespart. E-Plus ist deshalb heute am schlechtesten für Daten-Anwendungen gerüstet. Um halbwegs zügig mit dem Handy zu surfen, muss ein UMTS-Netz vorhanden sein. Das aber bietet E-Plus nur der Hälfte aller Haushalte an. Alle anderen müssen Geduld beweisen, bis sich auf dem mobilen Display eine Webseite aufbaut.

Lange hat E-Plus-Chef Thorsten Dirks Daten als unnütz abgetan und argumentiert, sie stellten noch keinen Massenmarkt dar. Doch das ist spätestens seit Apples iPhone anders – Dirks muss jetzt nachziehen. Dazu aber braucht er die neuen Frequenzen, da nur mit ihnen ein flächendeckender Ausbau erschwinglich wird. „E-Plus steht jetzt am Scheidepunkt“, sagt Analyst Rothauge. „KPN muss sich im kommenden Jahr für oder gegen Daten entscheiden.“

Entscheiden sie sich dagegen, wird E-Plus an den Rand gedrängt. Die KPN-Tochter fordert deshalb für die Versteigerung, dass mehr TV-Frequenzen für die Kleinen reserviert werden. Damit würde auch die Wahrscheinlichkeit sinken, dass O2 alles abgreift und E-Plus leer ausgeht.

Natürlich will auch O2 möglichst wenig für die Frequenzen zahlen. Doch anders als die E-Plus-Mutter KPN kann Telefónica aus dem Vollen schöpfen. Sie erzielt mit ihren Töchtern in Lateinamerika üppige Gewinne. Zudem ist ein Erfolg auf deutschem Boden für die Spanier Ehrensache. Sie stellten im Jahr 2002 ihre deutsche Tochter Quam ein, für die sie zwei Jahre zuvor gemeinsam mit der finnischen Sonera UMTS-Lizenzen für acht Mrd. Euro ersteigert hatten. Ein zweites Mal wollen sie in Deutschland nicht scheitern.

Die beiden Großen liefern sich seit Jahren ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Marktführerschaft. Die Pläne der kleinen Anbieter, die Eckpunkte zu ändern und mehr Frequenzen für sich zu reservieren, stoßen bei den großen natürlich auf Kritik. „Auch im bisher vorgesehen Verfahren haben die Wettbewerber keinen Nachteil, schließlich stehen bei den sogenannten kleinen Wettbewerbern mit Telefonica und KPN finanzstarke Konzerne im Hintergrund“, heißt es beim Marktführer T-Mobile. Vodafone droht bei einer weiteren Beschränkung der Bietrechte mit einem Ausbaustopp: „Wenn wir keine neuen Frequenzen bekommen, ergibt für uns ein Ausbau auf dem Land keinen Sinn.“

Die beiden großen Mobilfunker setzen schon heute stark auf Datenangebote. T-Mobile bewirbt das „vernetzte Leben und Arbeiten“, bei dem Handy, Fernseher und PC miteinander Informationen austauschen. Vodafone hat den etwas Begriff der „Generation upload“ erfunden und meint damit Jugendliche, die nicht nur am PC in Facebook oder Ebay aktiv sein wollen, sondern auch mit dem Handy.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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