Handyhersteller
Nokia schockt mit Gewinnwarnung

Der finnische Handyriese Nokia hat überraschend eine Gewinnwarnung veröffentlicht - und damit seine Anleger geschockt. Die Konsequenzen an den Börsen fallen deutlich aus. Ist der ehemalige Handy-Star noch zu retten?
  • 1

Stockholm/Helsinki Der weltgrößte Handy-Hersteller ist angeschlagen und taumelt immer tiefer in die Krise. Nokia warnt vor niedrigerem Umsatz und Gewinn im zweiten Quartal dieses Jahres und korrigiert den Ausblick für das Gesamtjahr 2011 nach unten.

Mehrere Faktoren würden das Handygeschäft negativer belasten als bisher angenommen worden war, teilte der finnische Konzern mit. Unter anderem sei die Konkurrenz größer geworden und das eigene Produktsortiment würde niedrigere durchschnittliche Verkaufspreise erzielen. Deshalb rechnet das Unternehmen jetzt mit einem deutlich niedrigeren Umsatz im zweiten Quartal 2011 als die bisher prognostizierten 6,1 bis 6,6 Milliarden Euro. Auch die Marge werde deutlich unter den bislang angenommenen sechs bis neun Prozent liegen. Der einstige Branchenprimus sieht sich derzeit nicht in der Lage eine Prognose für das Gesamtjahr abzugeben. Man werde bis auf Weiteres nur Quartalsprognosen abgeben, teilte das Unternehmen mit.

Die Ziele fürs dritte und vierte Quartal seien damit ebenfalls hinfällig. Zugleich betonte Nokia, dass es nicht mehr angebracht sei, einen Ausblick fürs Gesamtjahr auszugeben. Anleger reagierten geschockt. Die Aktien des Unternehmens stürzten daraufhin um 15 Prozent ab und fielen dabei unter fünf Euro - der tiefste Stand seit mehr als zehn Jahren. "Die Zahlen sind insbesondere im Vergleich zur Konkurrenz grottenschlecht", urteilt Händler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade. "Wenn man sich die Zahlen von Apple beispielsweise ansieht, scheint Nokia nicht wirklich hinterher zu kommen." Jari Honko von der Swedbank fügte hinzu: "Jetzt kommt die ganze Wahrheit über die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit von Nokia ans Licht." Weitere Börsianer sprachen nicht nur von einer Enttäuschung, sondern vermuten inzwischen sogar, dass Nokia den Markt zuvor "getäuscht" haben könnte mit seinem Ausblick.

Nokia immer weniger wettbewerbsfähig

Nokia kämpft seit Längerem gegen die immer stärker gewordene Konkurrenz durch Apples iPhone und den Handys, die mit dem Google-Betriebssystem Android arbeiten. Erst Ende April hatte Nokia den Abbau von 7000 Stellen angekündigt. Zudem schmiedete das Unternehmen eine Handysoftware-Allianz mit Microsoft. Im Februar gab der Konzern bekannt, dass er künftig in seine Smartphones das Microsoft-Betriebssystem Windows Phone 7 installieren wolle. Die ersten Geräte sollen Ende dieses Jahres auf den Markt kommen. Diese strategische Neuausrichtung hat allerdings zur Konsequenz, dass das hauseigene Betriebssystem Symbian künftig an Bedeutung verlieren wird.

Seite 1:

Nokia schockt mit Gewinnwarnung

Seite 2:

Kommentare zu " Handyhersteller: Nokia schockt mit Gewinnwarnung "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wenn man nur halbwegs vernünftig nachdenkt, dann sollte das kein allzu grosses Erstaunen auslösen. Dieser Schlitterkurs bei der Entscheidung für ein Betriebssystem für ein Handy und dann noch diese "völlig überraschende" Entscheidung (CEO Nokia). Wer soll deren Handys in Zukunft noch kaufen? Andere Hersteller haben Nokia meiner Meinung nach schon überholt, während die sich Mikrosoft-Programme aufschwatzen lassen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%