Handyhersteller sieht sich auf Gewinnkurs
BenQ trotz Quartalsverlust optimistisch

Seit der Übernahme der defizitären Mobiltelefonsparte von Siemens im Oktober 2005 hat der Handyhersteller BenQ zum zweiten Mal in Folge netto einen Quartalsverlust ausgewiesen. Der taiwanesische Konzern sieht sich dennoch auf Gewinnkurs.

HB TAIPEH/MÜNCHEN. Wie das Unternehmen am Montag in Taipeh mitteilte, betrug der Verlust 4,99 Mrd. Taiwan-Dollar (umgerechnet 126 Mill. Euro). Analysten hatten im Schnitt einen Verlust von 4,02 Mrd. Taiwan-Dollar erwartet. Im vierten Quartal 2005 hatte BenQ noch einen Verlust von 6,02 Mrd. Taiwan-Dollar ausgewiesen und erklärt, die Talsohle sei nun durchschritten.

Branchenexperten gehen davon aus, dass sich BenQ dank neuer Handymodelle auf dem Wege der Besserung befindet. Für die Auslieferungen des zweiten Quartals an Mobiltelefonen rechnet das Unternehmen mit einem Plus von 30 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Der Umsatz werde im Vergleich zu den ersten drei Berichtsmonaten um zehn Prozent zulegen. Der Hersteller von Handys und Computerausrüstung zählt unter anderem den US-Computerriesen und Hewlett-Packard zu seinen wichtigsten Kunden.

„Wir sind gut unterwegs“

Der seit der Übernahme der Siemens-Sparte sechstgrößte Handyhersteller der Welt sieht sich weiter auf Kurs, im Schlussquartal des laufenden Jahres Gewinne zu erwirtschaften. „Wir sind gut unterwegs, wir bewegen uns in dem Korridor, um im vierten Quartal schwarze Zahlen zu schreiben“, sagte BenQ-Mobile-Chef Clemens Joos am Montag im Reuters-Interview. In den vergangenen drei Monaten habe sich der Fehlbetrag aus dem Mobiltelefon-Geschäft reduziert. Im vierten Quartal 2005 hatten die Verluste der von Siemens übernommenen Handy-Sparte den taiwanesischen Elektronikkonzern tief in die roten Zahlen gedrückt. Auch im ersten Quartal fiel der Verlust der Mutter mit knapp fünf Mrd. Taiwan-Dollar (rund 126 Mill. Euro) noch immer höher aus als von Analysten erwartet. BenQ sieht allerdings die Talsohle durchschritten.

Im Handy-Geschäft sei der Absatz im ersten Quartal zwar um rund ein Drittel zurückgegangen, der durchschnittliche Verkaufspreis (ASP) der BenQ-Apparate sei aber gestiegen. „Wir bewegen uns mit dem ASP inzwischen zwischen 70 und 80 Euro. Im zweiten Quartal wollen wir noch zehn Prozent zulegen“, sagte Joos. Den Absatzrückgang erklärte Joos vor allem mit saisonalen Gründen. Im gesamten Jahr peilt BenQ an, rund 50 Mill. Handys zu verkaufen. Der Anbieter habe für seine Geräte mit dem neuen Hochgeschwindigkeitsstandard HSDPA bereits zwei Mobilfunkbetreiber als Kunden gewonnen. Mitte Februar hatte Joos T-Mobile und Vodafone als Abnehmer genannt, wollte die Angaben nun aber nicht erneuern.

Mit Telefonen, auf denen die Nutzer auch mobil Live-Fernsehbilder verfolgen können, wolle BenQ noch abwarten. Zwar verfüge das Unternehmen bereits über die nötige Technologie, eine Markteinführung der so genannten DVB-H-Geräte werde es voraussichtlich frühestens Ende 2006 geben. „Wir machen das erst, wenn es kommerziell sinnvoll ist“, erklärte Joos.

Auch auf der Kostenseite sei BenQ Mobile vorangekommen. „Wir haben 150 Mill. Euro an Kosteneinsparungen seit der Übernahme von Siemens erzielt“, fügte der Manager hinzu. Einen weitreichenden Jobabbau schloss Joos vorerst aus. „Wir werden den Personalstand halten, wenn wir zu vernünftigen Lösungen kommen“, sagte er mit Blick auf die kommenden Verhandlungen mit der Gewerkschaft über Arbeitszeiten und -plätze. Die ursprünglich für April geplanten Gespräche mit der IG Metall hätten sich aufgrund der allgemeinen Tarifverhandlungen verzögert. Im Mai oder Juni würden beide Seiten die Verhandlungen aufnehmen, kündigte er an. Im Juni läuft die Sondervereinbarung mit der IG Metall aus, die längere Arbeitszeiten im Gegenzug für Jobgarantien vorsieht. Die Arbeitnehmervertreter wollen das Modell für die gut 3000 Mitarbeiter in Deutschland nicht verlängern.

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