Handymesse Barcelona
Apples lange Schatten

Führende Anbieter wie Nokia und Microsoft springen jetzt mit gehöriger Verspätung auf den Zug auf, den Apple-Chef Steve Jobs mit dem iPhone angestoßen hat. Nicht nur der berührungsempfindliche Bildschirm hat neue Maßstäbe gesetzt und ist inzwischen von fast allen Herstellern kopiert worden.

BARCELONA. In diesem Jahr wird auf der weltweit größten Messe der Branche in Barcelona auch die Integration von Diensten auf dem Handy und dem Computer nachgeahmt. Auch hier hat Apple vor einem Jahr neue Maßstäbe gesetzt.

Der PC-Riese Microsoft hat am Montag eine neue Version seines Handy-Betriebssystems vorgestellt - Windows 6.5. Im Kern geht es den Entwicklern aus Seattle darum, die Darstellung auf dem Handy der auf dem PC weitgehend anzugleichen. Darüber hinaus präsentierte Microsoft-Chef Steve Ballmer mit "My Phone" einen neuen Dienst für den automatischen Datenaustausch zwischen PC und Handy. "Die Zeit ist reif, um die ganze Windows-Welt auf das Handy zu bringen", sagte Ballmer in Barcelona. Microsoft versucht mit diesem Schritt, von seiner dominierenden Position in der Computerwelt zu profitieren.

In einem altehrwürdigen Hotel gegenüber der Messehallen feierte er seine Vorstellung als "neue Handy-Strategie" und präsentierte mit Samsung, LG und HTC gleich drei Hersteller für sein überarbeitetes Betriebssystem. Für Experten handelte es sich dabei allerdings um "viel Worte für wenig Neues". Apple hat zwar den Takt vorgegeben, aber inzwischen bieten auch andere große Handy-Hersteller wie Nokia die Synchronisation von PC und Handy an.

Für den Dominator aus Seattle wird die Luft in der Mobilfunkbranche zunehmend dünn. Neue Konkurrenz ist ihm vor allem durch das Betriebssystem Android von Google entstanden. Es basiert auf einem offenen Standard und demonstriert damit einen grundlegenden Wandel in der Branche. Experten gehen davon aus, dass offene Verfahren, die ohne Lizenzgebühren auskommen und eine individuelle Veränderung des Systems ermöglichen, die Zukunft bestimmen werden. Aus Branchenkreisen war beispielsweise zu hören, dass Sony Ericssons erst im vergangenen Jahr bekanntgegebene Liaison mit dem Microsoft Windows Mobile-Betriebssystem demnächst schon wieder zu Ende sein soll: Das Unternehmen erwäge stattdessen, das Android-Betriebssystem einzuführen.

Nokia hält dagegen an seinem Betriebssystem Symbian fest, das die Finnen im vergangenen Jahr gekauft haben. Gleichwohl kündigte der Handy-Marktführer ebenfalls bessere Synchronisations-Möglichkeiten an. Zudem reichert Nokia seinen Online-Shop Ovi jetzt auch um Handy-Programme an. Ab Mai sollen dort bis zu 20 000 Software-Angebote wie Musikerkennung per Handy zur Verfügung stehen. "Wir wollen einer der ganz großen Inhalte-Lieferanten werden", sagte Niklas Savander, Chef der Dienstleistungssparte von Nokia. In der Branche heißt es allerdings, dass bislang die erhofften Umsätze auf Ovi ausgeblieben sind. Die Finnen selbst wollten sich dazu nicht äußern.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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