Hans Demmel
„Ich glaube an Couch Potatoes“

„Einen semistaatlichen Einheitsinfobrei“ wird der Eintritt der öffentlich-rechtlichen Nachrichtenkanäle in den Markt der digitalen Nachrichtenkanäle erzeugen. Davon ist Hans Demmel überzeugt. Der N-TV-Chef spricht im Interview über das Nachrichtengeschäft im Allgemeinen und die Konkurrenz von ARD und ZDF im Besonderen.

Handelsblatt: Herr Demmel, das Nachrichtengeschäft ist knallhart. Nun muss sich N-TV noch zusätzlicher Konkurrenz von ARD und ZDF stellen. Bringen die neuen digitalen Nachrichtenkanäle wie Eins Extra oder ZDF Infokanal das Gleichgewicht durcheinander?

Hans Demmel: Nicht nur die Balance gerät durch die Offensive von ARD und ZDF aus den Fugen. Die privaten Nachrichtenkanäle sind in ihrer Existenz bedroht. Sie könnten sogar vom Markt verschwinden.

Fürchten Sie nicht nur den Wettbewerb?

Wir stellen uns sehr gerne dem Wettbewerb. Doch aufgrund der Gebührenfinanzierung der Öffentlich-Rechtlichen ist das ein ungleicher Kampf. In Deutschland gibt es bereits sieben Informationssender, von Bloomberg bis Phoenix. Ich verstehe nicht, warum wir noch einen achten oder neunten Nachrichtenkanal brauchen, dessen Rechnung auch noch der Gebührenzahler begleichen soll.

Bedeuten mehr Kanäle nicht auch mehr Informationsvielfalt?

Der Markteintritt der öffentlich-rechtlichen Nachrichtenkanäle wird nicht etwa die Vielfalt erhöhen, sondern durch die Beschädigung des Marktes und durch das Abnudeln von Tagesschauinhalten einen semistaatlichen Einheitsinfobrei erzeugen. Vor dem Hintergrund des Medienpluralismus nicht nur eine ärgerliche, sondern eine gefährliche Entwicklung.

Gibt es Chancen, diese Fehlentwicklung aus Ihrer Sicht aufzuhalten?

Sicher, die Frage ist nur, ob wir einen Zugang zu den Öffentlich-Rechtlichen und deren Gremien für eine konstruktive Lösung finden und man unsere Gedanken ernst nimmt oder ob das wieder Brüssel entscheiden muss. In der Politik ist verstanden worden, dass es neben der Vielfalt im Nachrichtenbereich auch um Arbeitsplätze geht. Schließlich beschäftigt alleine N-TV über 200 Mitarbeiter. Diese Stellen sind durch ARD-Kanäle wie Eins Extra nun bedroht.

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