„Hanselblatt“ und Onno Faber
Beim Taptalk-Gründer hat das Chaos Methode

Handelsblatt-Leser haben gewählt: Auf vielfachen Wunsch begleiten wir Onno Faber, Gründer von Taptalk, bei seinen ersten Schritten im Silicon Valley. Für den zweiten Teil der Serie trafen wir ihn in seinem neuen Büro.
  • 0

San FranciscoOnno Faber atmet tief ein und schließt die Augen. Für einen Moment hält der Gründer die Luft an und spürt dem Geruch aus der braunen Papiertüte vor seinem Gesicht nach. Der 33-Jährige denkt an den Kirchturm auf dem Marktplatz seiner Heimatstadt Delft, an die düsteren Wolken, die schwer über der niederländischen Universitätsstadt hängen, wie immer im November.

Er lässt die Kaffeebohnen aus der Tüte ins Mahlwerk der Kaffeemaschine rasseln und kneift die Augen zusammen. Grell bricht das Licht der kalifornischen Sonne durch die hohen Fenster. Der Kontrast zum spätherbstlichen Holland in seinem Kopf könnte größer kaum sein. Wenige Sekunden später prustet das Edelstahlgerät den ersten Kaffee in die henkellose Keramik-Tasse. Fabers iPhone zeigt neun Uhr.

Seit der Ankunft in San Francisco vor drei Tagen hat der selbsterklärte „Kaffee-Nerd“ kaum geschlafen. Das liegt natürlich an der neunstündigen Zeitverschiebung und den vielen Kleinigkeiten, die es zu erledigen gab. Vom neuen Büro im achten Stock des sanierten Fabrikgebäudes im Zentrum von San Francisco aus will Faber die Bildschirme der Smartphones erobern. Mit der App Taptalk können Nutzer Fotos oder Videos an Freunde verschicken, die sich nach dem Abspielen selbst zerstören. Seit Facebook einige Funktionen kopierte, interessieren sich die Investoren für Taptalk.

Vom Koffein-Kocher in Edelstahl, einem Tisch und den vielen Skizzen überall an den Wänden mal abgesehen, wirkt das 120 Quadratmeter große Hauptquartier noch recht unbewohnt. Fabers fünfköpfiges Team reist erst diese Woche an. In der Wohnküche sollen bald die Programmierer werkeln, ein abgeschlossenes Büro dient als Rückzugsorts vom Firmenradau und in dem mit Teppich ausgelegten „Denkraum“, will Faber seine Firma konzeptionell weiterentwickeln. Der Gründer schläft übergangsweise im Zimmer gegenüber.

Die Firma zahlt eine für die Tech-Metropole übliche Miete von 11 000 Dollar monatlich. Das Schlafzimmer sieht eher provisorisch, denn luxuriös aus. Die Bettdecke liegt zerknüllt auf der einfachen 190 mal 80 Zentimeter-Matratze, in Ermangelung eines Schranks verteilte der Bewohner die Kleidung quer im Raum.

Chaos hat bei Faber Methode. Der Gründer, der erstaunlich bereitwillig über Schwächen seiner Firma Auskunft gibt, die App müsse neuen Nutzern endlich die Anmeldung erleichtern zum Beispiel, will augenscheinlich alles andere als perfekt sein. Er entwickele Ideen am liebsten im Austausch mit anderen, genauso wie sein Produkt. „Ich möchte die Menschen über einen so direkten Weg miteinander verknüpfen wie kein Tool zuvor.“ So sind die Aufnahmen, die man von Taptalk-Freunden erhält, verwackelt, wahlweise überbelichtet oder zu dunkel und zeigen den Absender meist mit seltsamem Gesichtsausdruck.

Seite 1:

Beim Taptalk-Gründer hat das Chaos Methode

Seite 2:

Taptalk verspricht Exklusivität

Kommentare zu " „Hanselblatt“ und Onno Faber : Beim Taptalk-Gründer hat das Chaos Methode"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%