Harte Bedingungen auf dem deutschen Markt
RTL geht schweren Zeiten entgegen

Die Wirtschaftsflaute trifft die RTL Group mit voller Wucht. Weil der Konzern dieses Jahr einen Gewinnrückgang voraussieht, brummt er seinen Sendern einen harten Sparkurs auf. Unternehmenskreise erwarten deshalb, dass Europas größte Fernseh- und Radioanstalt Personal abbauen wird.

BERLIN. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Profitabilität der Fernsehsender sinken wird“, sagte Vorstandschef Gerhard Zeiler am Donnerstag. „Wir sehen einen signifikanten Rückgang im europäischen TV-Werbemarkt.“ Deshalb verordnet Zeiler der TV-Tochter des Medienkonzerns Bertelsmann einen harten Sparkurs. Marktteilnehmer gehen davon aus, das bis 2011 die Kosten um 15 bis 20 Prozent gesenkt werden müssen.

Die RTL Group betreibt 45 Fernsehsender und 32 Radiostationen in elf Ländern. Von den Sparmaßnahmen sind sämtliche Sender betroffen. Genaue Angaben, wie die Kostensenkung in den jeweiligen Ländern aussehen wird, machte Zeiler nicht. Der langjährige RTL-Chef gab auch wie zuletzt der Vorstandschef des RTL-Konkurrenten Pro Sieben Sat 1, Thomas Ebeling, keine Prognose für das Gesamtjahr ab.

Unternehmenskreise erwarten, dass die RTL Group wie andere Sender auch künftig Personal abbauen wird. Zuletzt hatte die Fernsehgruppe bereits massiv in Großbritannien und den Niederlanden Arbeitsplätze abgebaut und ausgelagert. Die Personalkosten machen bei RTL nach Insiderangaben zwischen acht bis 20 Prozent der Gesamtkosten der jeweiligen Sender aus.

Im vergangenen Jahr lief es für die RTL Group trotz eines schlechten vierten Quartals noch exzellent. Der Fernsehkonzern wird an seinen Gütersloher Mutterkonzern die Rekorddividende von 489 Mio. Euro überweisen. In den vergangenen drei Jahren lieferte die Fernsehsparte rund 1,62 Mrd. Euro in Gütersloh ab. Bertelsmann ist auf das Geld angesichts der hohen Schulden dringend angewiesen. Bertelsmann hält über 90,3 Prozent der RTL-Aktien.

In den nächsten Jahren wird sich der Bertelsmann-Konzern aber auf geringere RTL-Geldströme einstellen müssen. Denn der Werbemarkt schwächt sich europaweit dramatisch ab. Zeiler sieht mit Ausnahme von Belgien überall einen Rückgang bei den Netto-Werbeeinnahmen im zweistelligen Prozentbereich. Für Deutschland prognostiziert die Mediaagentur Zenith Optimedia hingegen einen Rückgang der Netto-Werbeerlöse nur von 3,5 Prozent. Andere Marktteilnehmer gehen für Deutschland von einem Minus von bis zu fünf Prozent aus.

Die Situation im wichtigen deutschen Markt ist derzeit hart. Denn es tobt eine Rabattschlacht mit dem Konkurrenten Pro Sieben Sat 1. RTL wirft hinter vorgehaltener Hand der Münchener Sendergruppe vor, mit Dumpingpreisen den Markt kaputt zu machen. Branchenkenner gehen davon aus, dass von einem Euro Brutto-Werbeeinnahmen bei Pro Sieben Sat 1 nur noch 61 Cent bei der schwer angeschlagenen Sendergruppe ankommt.

Die deutschen Sender RTL, Vox, Super RTL und N-TV lieferten zusammen mit der TV-Produktionstochter Fremantle (Ufa, Teamworx) im vergangenen Jahr Rekordergebnisse. Allein RTL Deutschland steigerte die Umsätze auf 2,05 Mrd. Euro (Vorjahr: 1,98 Mrd.). Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) schnellte 2008 auf 422 Mio. Euro (Vorjahr: 336 Mio.) hoch. Der Grund für den Rekordgewinn liegt in der Schwäche von Pro Sieben Sat 1. Die Münchener hatten große Probleme bei der Werbevermarktung. Das Blatt hat sich aber nun gewendet. Pro Sieben Sat 1 jagt seit Jahresbeginn RTL Marktanteile ab.

Insgesamt steigerte die RTL Group ihre Erlöse und Gewinne zum siebten Mal. Der Gesamtumsatz im vergangenen Jahr legte um 1,2 Prozent auf 5,77 Mrd. Euro zu, der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) sogar um 2,0 Prozent auf 916 Mio. Euro. Der Nettogewinn sank jedoch auf 194 Mio. Euro (Vorjahr: 563 Mio.). Grund waren außerplanmäßige Firmenwertabschreibungen von 337 Mio. auf die Fernsehsender in Großbritannien.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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