Der finnische Handy-Hersteller Nokia
hat seinen Gewinn im abgelaufenen Quartal zwar gesteigert. Doch die Analystenerwartungen verfehlte der Weltmarktführer. Dazu trägt auch die Schließung des Werks in Bochum bei. Die Anleger reagierten schockiert.
STOCKHOLM. Der Höhenflug von Nokia
ist gebremst. Der Branchenprimus büßte in den ersten drei Monaten dieses Jahres gegenüber dem Vorquartal leicht Marktanteile ein. Gleichzeitig belastet die Schließung des Werks in Bochum die Bilanz. An der Börse in Helsinki stürzte die Nokia
-Aktie um mehr als elf Prozent ab.
Besonders negativ wurde von Analysten die Prognose von Nokia
-Chef Olli Kallasvuo, -Pekka dass der globale Handy-Markt in diesem Jahr gemessen am Wert nicht wachsen werde. Noch vor Kurzem hatte Nokia
mit einem leichten Wachstum gerechnet. Die Korrektur der Prognose liegt laut Nokia
am schwachen Dollar und den konjunkturellen Problemen in den USA, die sich möglicherweise auch nach Europa ausbreiten können. "Der Dollar-Effekt ist sehr groß. Die Zahl der verkauften Handys ist okay. Es ist die Prognose, die die Aktie belastet", sagte Anders Elgemyr, Analyst bei der Glitnir Bank in Stockholm.
Gemessen an der Anzahl verkaufter Handys geht der finnische Konzern allerdings weiterhin von einem Wachstum in diesem Jahr von zehn Prozent aus.
Nokia
steigerte den Umsatz im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal um 28 Prozent auf 12,7 Mrd. Euro. Analysten hatten mit einem Plus von mehr als 29 Prozent gerechnet. Der Reinerlös zog um 25 Prozent auf 1,2 Mrd. Euro an. Auch dieses Ergebnis verfehlte knapp die Erwartungen von Experten.
Belastet wurde das Nokia
-Ergebnis durch einmalige Aufwendungen: Für die Schließung des Werks in Bochum hat der Konzern im ersten Quartal 81 Mill. Euro reserviert. Nokia
einigte sich darüber hinaus auf die Zahlung von 200 Mill. Euro für die 2 300 Mitarbeiter, die in Bochum ab Juni ihren Arbeitsplatz verlieren. Diese Summe wird später verbucht. Das Ergebnis im ersten Quartal wurde darüber hinaus von Pensionsverpflichtungen in Höhe von 152 Mill. Euro sowie 100 Mill. Euro für Stellenstreichungen bei Nokia Siemens Networks belastet.
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Bereinigt um diese Sonderausgaben liegt der Gewinn je Aktie bei 0,38 (0,26) Euro und damit etwas besser als erwartet worden war. In den ersten drei Monaten 2008 verkaufte Nokia
115,5 Mill. Geräte weltweit. Das waren etwas mehr als Experten vorhergesagt hatten. Allerdings sank der durchschnittliche Verkaufspreis von zuletzt 83 Euro auf 79 Euro. Kallasvuo bezifferte den Weltmarktanteil im ersten Quartal auf 39 Prozent. Das ist rund ein Prozentpunkt weniger als die Finnen noch im vierten Quartal vergangenen Jahres hielten. Allerdings hat der finnische Vorzeigekonzern damit immer noch einen größeren Weltmarktanteil als die drei Verfolger, Samsung, Motorola und LG, zusammen. Außerdem rechnet Kallasvuo mit einem steigenden Weltmarktanteil für seinen Konzern in der zweiten Jahreshälfte.
Nokia
hat in den vergangenen Jahren Anleger und Analysten immer wieder mit neuen Rekorden verwöhnt. So stieg allein im vergangenen Jahr die Nokia
-Aktie um 71 Prozent. Doch die guten Zeiten sind zumindest vorübergehend vorbei: In diesem Jahr gab die Nokia
-Aktie in Helsinki 24 Prozent nach. Und auch die ansonsten rosig beschriebenen Zukunftsaussichten wurden jetzt von Nokia
-Chef Kallasvuo gedämpft.
Das gilt auch für das Joint Venture Nokia Siemens Networks. Der Mobil- und Festnetz-Hersteller setzte mit 3,4 Mrd. Euro weniger um als erwartet worden war. Das Betriebsergebnis rutschte mit einem Minus von 74 Mill. Euro in die roten Zahlen. In dem Fehlbetrag sind allerdings einmalige Ausgaben für Umstrukturierungskosten enthalten.
Doch für das von Nokia
und Siemens gegründete Gemeinschaftsunternehmen sieht es auch künftig nicht rosig aus: Nokia
rechnet für dieses Jahr nur noch mit einer Stagnation gemessen in Euro. Noch im letzten Quartal war man von einem "leichten Wachstum" bei Netzen ausgegangen. Der Grund für die Korrektur: Viele Netze werden in Regionen verkauft, in denen mit dem schwachen Dollar bezahlt wird.

