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07.08.2008 
Hauptversammlung

Harter Tag für Freenet-Chef Eckhard Spoerr

von Jens Koenen und Till Hoppe

Morgen treffen sich die Freenet-Anteilseigner und können Dampf ablassen: die einen wegen der schlechten Zahlen, die anderen, weil sie den Firmenchef endlich loswerden wollen. Dem Internet- und Mobilfunk-Dienstleister steht eine turbulente Hauptversammlung bevor.

Freenet-Chef Eckhard Spoerr steht ein heißer Tanz bevor. Foto: dpaLupe

Freenet-Chef Eckhard Spoerr steht ein heißer Tanz bevor. Foto: dpa

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Wer morgen im Congress Center Hamburg auf einen direkten Streit zweier Alphatiere der deutschen Wirtschaft setzt, dürfte enttäuscht werden. Zwar treffen auf der Freenet-Hauptversammlung die Kontrahenten aufeinander - auf der einen Seite das Management von Freenet, auf der anderen die Vertreter der Großaktionäre United Internet (UI) und Drillisch. Doch zumindest einer der Wortführer wird nicht anwesend sein. UI-Chef Dommermuth, so ist zu hören, reist nicht nach Hamburg.

Dennoch steht Freenet eine turbulente Hauptversammlung bevor. UI und Drillisch wollen den Freenet-Chef Eckhard Spoerr entmachten und den Aufsichtsrat mit eigenen Leuten besetzen. "In dem Gremium sitzen vier Anwälte, wie sollen sie den Vorstand vernünftig kontrollieren?", wettert Drillisch-Chef Paschalis Choulidis.

Hintergrund des Streits: UI und Drillisch wollten Freenet übernehmen, Dommermuth ist am DSL-Geschäft interessiert, Drillisch an der Mobilfunksparte. Doch Freenet-Chef Spoerr hat die beiden durch einen cleveren Schachzug ausgebremst. Er übernahm selbst den Mobilfunkprovider Debitel vom Finanzinvestor Permira für gut 1,6 Mrd. Euro.

Ob UI und Drillisch Erfolg haben werden, ist offen. Beide Parteien vereinen etwa 30 Prozent der stimmberechtigten Anteile auf sich. Zünglein an der Waage ist daher die Investmentgesellschaft Hermes. Wie sie abstimmen wird, ist unbekannt. Hermes wollte auf Anfrage keine Stellung nehmen.

Deshalb liegen die Nerven bei den Beteiligten blank. In einer Anzeige warb die Belegschaft in dieser Woche für Spoerr und gegen die angeblichen Zerschlagungspläne von UI und Drillisch. Doch so geschlossen wie dargestellt, sind die Reihen bei Freenet nicht. Es sei ein Unding, wie Mitarbeiter hier instrumentalisiert würden, wettert der Betriebsrat der jüngst akquirierten Debitel. Drillisch-Chef Paschalis Choulidis wiederum bestreitet, Freenet zerschlagen zu wollen. "Der Vorstand behauptet das, um die Aktionäre in die Irre zu führen."

Mittelfristig kann sich Choulidis hingegen vorstellen, Drillisch in Freenet einzubringen. "Einen großen Service-Provider zu schmieden ist sinnvoll", sagt er. Dadurch ließen sich Synergien heben und Verlustvorträge nutzen. "Wir haben es aber nicht eilig damit." UI wiederum hat es nach wie vor auf die DSL-Sparte abgesehen, für die Freenet bereits Interessensbekundungen sammelt.

Auch wenn Choulidis und sein Mitstreiter Dommermuth morgen mit ihrem Anliegen scheitern werden, dürften die Zeiten bei Freenet nicht ruhiger werden. Der Druck auf Spoerr wächst. Die Zahlen des zweiten Quartals sind ernüchternd. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen schrumpfte von 70,5 auf 53,7 Mill. Euro. Der Umsatz fiel von 467 auf 435 Mill. Euro. Damit nicht genug: Aus dem Unternehmensumfeld ist zu hören, dass es zwischen Spoerr und Debitel-Chef Oliver Steil unterschiedliche Auffassungen über die strategische Ausrichtung von Debitel geben soll. "Da zündelt es gewaltig", heißt es.

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