Deshalb liegen die Nerven bei den Beteiligten blank. In einer Anzeige warb die Belegschaft in dieser Woche für Spoerr und gegen die angeblichen Zerschlagungspläne von UI und Drillisch. Doch so geschlossen wie dargestellt, sind die Reihen bei Freenet nicht. Es sei ein Unding, wie Mitarbeiter hier instrumentalisiert würden, wettert der Betriebsrat der jüngst akquirierten Debitel. Drillisch-Chef Paschalis Choulidis wiederum bestreitet, Freenet zerschlagen zu wollen. "Der Vorstand behauptet das, um die Aktionäre in die Irre zu führen."
Mittelfristig kann sich Choulidis hingegen vorstellen, Drillisch in Freenet einzubringen. "Einen großen Service-Provider zu schmieden ist sinnvoll", sagt er. Dadurch ließen sich Synergien heben und Verlustvorträge nutzen. "Wir haben es aber nicht eilig damit." UI wiederum hat es nach wie vor auf die DSL-Sparte abgesehen, für die Freenet bereits Interessensbekundungen sammelt.
Auch wenn Choulidis und sein Mitstreiter Dommermuth morgen mit ihrem Anliegen scheitern werden, dürften die Zeiten bei Freenet nicht ruhiger werden. Der Druck auf Spoerr wächst. Die Zahlen des zweiten Quartals sind ernüchternd. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen schrumpfte von 70,5 auf 53,7 Mill. Euro. Der Umsatz fiel von 467 auf 435 Mill. Euro. Damit nicht genug: Aus dem Unternehmensumfeld ist zu hören, dass es zwischen Spoerr und Debitel-Chef Oliver Steil unterschiedliche Auffassungen über die strategische Ausrichtung von Debitel geben soll. "Da zündelt es gewaltig", heißt es.

