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Hasso Plattner: Gründer kämpft um die Zukunft von SAP

Übernahmegerüchte, Kundenproteste, unzufriedene Mitarbeiter: SAP-Aufsichtsratschef Hasso Plattner zieht die Notbremse und wechselt den Vorstand aus. Viel steht auf dem Spiel, die Selbstständigkeit des Softwarekonzerns ist bedroht. Ein Kulturwandel und bessere Produkte sollen Besserung bringen.

SAP-Gründer Hasso Plattner setzt sich durch. Quelle: ap
SAP-Gründer Hasso Plattner setzt sich durch. Quelle: ap

DÜSSELDORF. Mit dem überraschenden Wechsel an der Spitze versucht SAP-Gründer und Aufsichtsratschef Hasso Plattner die Unabhängigkeit des Softwarekonzerns zu retten. Eine Doppelspitze löst den glücklosen Konzernchef Leo Apotheker ab und soll dem Unternehmen mehr technologisches Profil geben. Plattner selbst will der neuen Führungsmannschaft bei der Technologieentwicklung unter die Arme greifen.

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Die Zeichen stehen auf Sturm: Im Zweikampf mit dem Konkurrenten Oracle verliert SAP an Boden, der Umsatz geht zurück, die Kunden revoltieren, und auch in der Belegschaft rumort es. Zugleich brodeln seit Monaten die Übernahmegerüchte – Google, Hewlett-Packard, IBM oder Microsoft hätten Interesse an einem Einstieg bei SAP, wird spekuliert.

Plattner befürchtet, dass sein Unternehmen zwischen diesen IT-Riesen zerrieben wird. Mit der Doppelspitze aus dem Amerikaner Bill McDermott und dem Dänen Jim Hagemann Snabe will er deswegen „einen Gang hochschalten“. Mit dem Wechsel macht Plattner seine Entscheidung von Anfang 2007 rückgängig. Damals hatte er Apotheker zum Co-Chef neben Henning Kagermann auserkoren und im Mai 2009 zum alleinigen Chef ernannt. „Apotheker kam zum falschen Zeitpunkt“, sagt IDC-Analyst Rüdiger Spies. Zwar habe er als Vertriebsmann die Kosten gekappt und die Marge heraufgeschraubt. Auch sein Beitrag zur Konsolidierung sei wie ein reinigendes Gewitter gewesen. „Er war aber nicht in der Lage, dem Unternehmen eine Vision zu geben“, so Spies.

Indirekt wirft Plattner dem bisherigen Vorstandschef Apotheker vor, die Wünsche der Kunden nach neuen Techniken und Produkten nicht ausreichend bedient zu haben: „Die Neuaufstellung der Unternehmensspitze soll die Produktinnovationen näher mit den Kundenanforderungen zusammenbringen“, so der Aufsichtsratschef. Die Berufung von Vishal Sikka als zusätzlichem Technikvorstand deutet an, dass eine Produktoffensive die Selbstständigkeit von SAP in dem hartumkämpften Markt sichern soll.

Bereits 2004 war SAP ins Visier des Softwareriesen Microsoft gerückt. Im Gegensatz zu heute hatten sich die Firmengründer, die noch knapp ein Drittel der Aktien halten, auf Sondierungsgespräche eingelassen. Erst als deutlich wurde, dass es zu hohe Hürden durch die unterschiedliche Unternehmenskultur sowie Einwände des Kartellamts geben würde, hatten sich beide Parteien von der Idee verabschiedet.

Inzwischen hat sich die IT-Welt grundlegend verändert, die großen Player stellen sich neu auf. Künftig sollen Firmen ihre Anwendungen und Rechnerleistungen nicht mehr selbst betreiben, sondern wie Strom aus der Steckdose beziehen. Die neuen Kunden der IT-Konzerne sind Provider, die Firmen diesen Service bereitstellen. Dafür brauchen sie flexible technische Lösungen – und die können Firmen, die alles aus einer Hand bieten, schneller und besser liefern als ein Spezialist wie SAP.

Hasso Plattner hat diese Gefahr erkannt. Zu spät, sagte jedoch Peter Goldmacher, Analyst bei Cowen & Company in San Francisco. Er glaube nicht, dass der Führungswechsel helfen werde, SAP zu retten. Der Softwarehersteller könne künftig nur zusammen mit einem größeren Partner überleben, so der Marktbeobachter. Allerdings sehe es so aus, als wenn sich der Konzern bis zum Schluss gegen eine solche Lösung wehren werde.

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