Hauptversammlung des Fernsehkonzerns
Pro Siebens Dividende empört Kleinaktionäre

Die Kleinaktionäre haben Management und Investoren von Pro Sieben Sat 1 wegen der hohen Verschuldung der TV-Sendergruppe scharf kritisiert. Sie warfen den Großaktionären, den US-Finanzinvestoren Permira und KKR, auf der Hauptversammlung am Dienstag vor, den Münchner Konzern auszuplündern.

HB MÜNCHEN. Aktionärsschützer haben die Hauptversammlung zum Scherbengericht für den Vorstand und die Großaktionäre von Pro Sieben Sat 1 gemacht. „Setzen, sechs!“ sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) unter dem Beifall der nicht stimmberechtigten Kleinaktionäre am Dienstag in München. Mit der Ausschüttung einer gewaltigen Dividende trotz katastrophaler Geschäftszahlen und Rekordschulden seien die Finanzinvestoren Permira und KKR davor, ihre Melkkuh zu schlachten.

Auch der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Klaus Schneider, zeigte sich empört. Die Bilanz sei ein reiner „Schönwetterabschluss“, die Dividende übersteige den Jahresgewinn und sei maßlos. Die Geschäftseinbrüche im laufenden Jahr seien massiv. Die Folge sei ein „hausgemachtes Kursdesaster“, sagte Schneider. Angesichts immer neuer Sparrunden bei einem schon ziemlich ausgequetschten Unternehmen bezweifle er, dass Pro Sieben Sat 1 die angestrebte Führungsposition in Europa erreichen könne.

Berdolt warnte die Kleinaktionäre unter großem Beifall der anwesenden 250 Anleger: „Vorsicht bei Pro Sieben Sat 1!“ Der Konzern sei ein Paradebeispiel für beherrschende Großaktionäre, „die das Wohl des Unternehmens nur partiell im Auge haben“. KKR und Permira hätten ihre europäische Sendergruppe SBS zu einem „grenzwertig teuren“ Preis an Pro Sieben Sat 1 verkauft und den Konzern „bis über den Kopf verschuldet“. „Die aufgebürdete Verschuldung ist so hoch, dass man als freier Aktionär nur beunruhigt sein kann.“

Der scheidende Finanzchef Lothar Lanz verteidigte die SBS-Übernahme als „strategisch und wirtschaftlich ein sehr guten Kauf“. Allerdings musste er einräumen, dass der Schuldenberg innerhalb eines Jahres von 90 Mill. Euro auf 3,4 Mrd. Euro gestiegen ist. Trotzdem will der Konzern 270 Mill. Euro Dividende zahlen - mehr als der gesamte Jahresgewinn von 249 Mill. Euro. Vorstandschef Guillaume de Posch verteidigte das ungewöhnliche Vorgehen: „Pro Sieben Sat 1 ist ein kerngesundes Unternehmen.“ Der neue Sparplan mit einem Volumen von 70 Mill. Euro werde nicht zu Lasten des Programms gehen. Nur RTL investiere mehr ins Programm.

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