Hauptversammlung des Internet-Konzerns
Zahnlose Kritik an Yahoo-Chef Semel

Erwartungen, dass sich die Frustration der Aktionäre von Yahoo auf der Hauptversammlung am Dienstag explosionsartig entladen würde, haben sich nicht erfüllt.

je PORTLAND. Konzernchef Terry Semel (64) spulte den offiziellen Teil der Veranstaltung routiniert ab; die Ergebnisse der Abstimmung über verschiedene Vorlagen folgten auf der ganzen Linie den Empfehlungen des Managements. Kritische Vorstöße aus Kreisen der Aktionäre, die Bezahlung der Yahoo-Manager auch von Leistungsvergleichen mit Konkurrenten abhängig zu machen, sowie zwei Vorschläge im Hinblick auf Internet-Zensur in China, wurden mit großen Mehrheiten abgelehnt.

Im Vorfeld der Veranstaltung gab es zahlreiche Berichte und kritische Stimmen über das Missverhältnis zwischen der Bezahlung von Konzernchef Semel und der Entwicklung des Aktienkurses sowie über den Exodus von Führungskräften seit der Reorganisation Ende vergangenen Jahres. Die Schätzungen von Besoldungsexperten über den Wert von Semels Besoldungspaket für das vergangene Jahr liegen zwischen 70 und 107 Mill. Dollar. Laut AP war er damit der höchstbezahlte Manager einer Publikumsgesellschaft in den USA. Seit seiner Anheuerung als Yahoo-Chef 2001 trug Semel über 450 Mill. Dollar nach Hause, während die Firma gegenüber Google an Boden verlor und der Aktienkurs Wasser trat.

Nach einem kritischen internen Memo vom vergangenen Herbst verkündete Semel im Dezember eine umfassende Reorganisation, nach der eine Reihe von hochrangigen Managern das Unternehmen verließ. Zuletzt kündigte der Chef der Technology-Gruppe, Farzad Nazem. In zwei der drei wichtigsten Unternehmensbereiche sind zurzeit die Top-Positionen unbesetzt.

Während der Marktwert der Internet-Suchmaschine Google seit der Erstemission im Jahr 2004 von 23 auf rund 140 Mrd. Dollar stieg, ging der Marktwert von Yahoo gleichzeitig von 39 auf 37 Mrd. Dollar zurück. Allein in den vergangenen zwölf Monaten fiel der Yahoo-Kurs um ein Zehntel, während Google um 30 Prozent zulegte und der Nasdaq-Index insgesamt ein Fünftel gewann.

Trotzdem wurde der von Semel handverlesene Verwaltungsrat mit deutlichen Mehrheiten wiedergewählt, daher konnte der Yahoo-Chef die Kritik einzelner Aktionäre während des inoffiziellen Teils der Veranstaltung geduldig über sich ergehen lassen.

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