Hauptversammlung
Freenet droht Gewinneinbruch

Unmittelbar vor der Hauptversammlung nimmt der Druck auf Freenet-Chef Eckhard Spoerr zu: Sein Unternehmen droht, die Erwartungen des Marktes klar zu enttäuschen. Das könnte seinen Kritikern weitere Argumente liefern.

DÜSSELDORF. Wie aus dem neuen Wertpapierprospekt Freenet hervorgeht, hat das Telekom-Unternehmen im April und Mai deutlich weniger Geld verdient als im Vorjahr und droht, die Erwartungen des Marktes für das zweite Quartal klar zu enttäuschen. Die Aktie des im Tec-Dax notierten Unternehmens gab daraufhin um teilweise mehr als fünf Prozent nach und erholte sich bis zum späten Nachmittag kaum.

Freenet-Chef Eckhard Spoerr muss sich am Freitag in Hamburg den Aktionären stellen. Die beiden Großinvestoren United Internet und Drillisch, die gemeinsam mehr als ein Viertel der Anteile kontrollieren, wollen auf der Hauptversammlung den Aufsichtsrat stürzen und anschließend auch Spoerr aus dem Amt hebeln. Sie werfen ihm vor, mit der Übernahme des Mobilfunk-Unternehmens Debitel die Interessen der Aktionäre verletzt zu haben. Spoerr hatte den größeren Konkurrenten im Mai für 1,6 Mrd. Euro inklusive Schulden gekauft, Freenet stieg damit zum drittgrößten Mobilfunk-Anbieter auf.

Der Ausgang der Kampfabstimmung ist noch offen. "Beide Seiten haben etwa 30 Prozent der Stimmen hinter sich", sagte Drillisch-Chef Paschalis Choulidis dem Handelsblatt. Den Ausschlag werde voraussichtlich die britische Fondsgesellschaft Hermes geben, die gut fünf Prozent der Aktien hält und sich noch nicht öffentlich festgelegt hat.

Die voraussichtlich schlechten Quartalszahlen, die Freenet am Donnerstag bekannt geben wird, könnten den Kritikern Spoerrs weitere Argumente liefern. Im April und Mai verbuchte Freenet einen Gewinn vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 29,8 Mill. Euro, fast 21 Mill. Euro weniger als im gleichen Zeitraum 2007. Hochgerechnet auf das gesamte Quartal dürfte das Ebitda bei rund 45 Mill. liegen - etwa 14 Mill. Euro weniger, als Analysten im Durchschnitt erwarten.

Sal. Oppenheim-Analyst Frank Rothauge vermutet ein schwaches Geschäft mit schnellen Internet-Zugängen als Hauptursache für das schwache Abschneiden im April und Mai. Für Spoerr, der die Sparte verkaufen und sich auf das Mobilfunkgeschäft konzentrieren will, wäre das problematisch: "Die Gefahr nimmt zu, dass Freenet einen enttäuschenden Preis akzeptieren muss", sagte Rothauge.

Noch deutlich schlechter stellt sich die Lage mit Blick auf den Gewinn vor Steuern (Ebit) dar. Hier verbuchte Freenet mit 1,9 Mill. Euro ein Minus von 95 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Verantwortlich für den Einbruch ist neben dem schwächeren Geschäft vor allem eine neue Bilanzierung, die Freenet Anfang 2007 einführte. Seither werden die Ausgaben für die Akquise neuer Kunden nicht mehr als Kostenfaktor in der Gewinn- und Verlustrechnung geführt, sondern als Vermögensposten in der Bilanz des Unternehmens. Dadurch konnte Freenet im vergangenen Jahr einen um rund 100 Mill. Euro höheren Gewinn ausweisen.

Kehrseite der Umstellung: Die Kundenakquisitionskosten müssen nun schrittweise abgeschrieben werden und drücken damit erheblich den Gewinn. Analyst Andreas Heinold von der Landesbank Baden-Württemberg schätzt, dass sich der Abschreibungsbedarf im gesamten Jahr auf 220 Mill. Euro summieren wird. Freenet selbst räumt in dem Prospekt ein, dass die Abschreibungen in den nächsten Quartalen weiter zunehmen und damit das Ergebnis belasten werden.

Till Hoppe
Till Hoppe
Handelsblatt / Europa - Korrespondent in Brüssel
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%