Hauptversammlung in Berlin
Mobilcom warnt Aktionäre vor Klage

Thorsten Grenz, Vorstandschef von Mobilcom, hat die Aktionäre des zweitgrößten deutschen Mobilfunkdienstleisters davor gewarnt, eine Schadenersatzklage gegen den ehemaligen Großaktionär France Telecom anzustreben.

HB BERLIN. „Es sind große Pakete, die wohl dafür stimmen werden“, sagte Grenz der Nachrichtenagentur Reuters vor Beginn der Hauptversammlung am Freitag. Den Aktionären liegt auf der Mobilcom-Hauptversammlung am heutigen Freitag in Berlin ein Antrag der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) und der Liechtensteiner Gesellschaft Kasag vor, die eine Schadenersatzklage in Milliardenhöhe gegen France Telecom anstreben. der französische Telekommunikationskonzern ist mit 29,1 Prozent der größte Anteilseigner.

Grenz sagte, eine Klage gegen hätte einem von der Mobilcom in Auftrag gegebenen Gutachten zufolge keinerlei Aussicht auf Erfolg. „Mobilcom soll hier in eine nach unserer festen Überzeugung sinnlose rechtliche Auseinandersetzung gezwungen werden, die zumindest Zeit und einiges an Geld kosten wird - und vielleicht mehr“, sagte Grenz.

Hinter der Firma Kasag steht Medienberichten zufolge die Ehefrau von Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid, Sybille Schmid-Sindram. Schmid erschien zur Hauptversammlung mit Ehefrau Sybille Schmid- Sindram sowie dem Rechtsanwalt und FDP-Politiker Wolfgang Kubicki.

Die Aktionärsgruppe um Gerhard Schmid wirft den Franzosen vor, Finanzzusagen zum Ausbau eines UMTS-Netzes in Milliardenhöhe nicht eingehalten zu haben. Mit Hilfe von France Télécom hatte Schmid im Jahr 2000 rund 8,4 Milliarden Euro für eine UMTS-Lizenz gezahlt. Die Franzosen entzogen später jedoch ihre Unterstützung. Einem Zusammenbruch entging mobilcom nur knapp.

Im Zuge der von France Telecom finanzierten Rettung musste Schmid seinen Posten als Vorstandschef bei Mobilcom räumen und alle Anteile verkaufen. Schmid musste private Insolvenz anmelden und kämpft seitdem um sein früheres Vermögen. Gegen ihn sind im Zusammenhang mit dem Streit mit der France Telecom mehrere Verfahren anhängig.

Gerhard Schmidt verfügt nach eigenen Angaben heute über keinerlei Mobilcom-Aktien mehr. Seine Frau hält jedoch knapp fünf Prozent des Kapitals. Kubicki bestätigte am Rande der Hauptversammlung, dass er ebenfalls zahlreiche Mobilcom-Aktien besitzt. Die Aussprache sollte bis in den Abend dauern.

Neben der Klage war die geplante Verschmelzung mit der Internet-Tochter Freenet Thema auf der Hauptversammlung. Mobilcom will das Projekt in den kommenden Monaten vorantreiben. Die künftige gemeinsame Gesellschaft werde neben der Telekom der einzige Komplettanbieter von Telekommunikationsdienstleistungen in Deutschland sein, sagte Vorstandschef Thorsten Grenz. Im August soll dazu ein außerordentliches Aktionärstreffen stattfinden. Derzeit hält Mobilcom mit seinen bundesweit mehr als 4,5 Millionen Kunden rund 53 Prozent der freenet-Anteile.

Zum Stand der Gespräche mit dem Freenet-Vorstand machte Grenz keine näheren Angaben. Auch zu einem möglichen Umtauschverhältnis der Aktien äußerte sich der Mobilcom-Chef nicht. Die Gespräche seien noch in einer „relativ frühen Phase“. „Wir erwarten, dass wir etwa Ende Mai/Anfang Juni weiter sein werden.“ Der Verschmelzung müssen die Hauptversammlungen beider Unternehmen mit Drei-Viertel-Mehrheit zustimmen.

Grenz bekräftigte die Prognose, wonach sich der Betriebsgewinn (Ebitda) des Konzerns im laufenden Jahr auf 185 bis 200 Millionen Euro nach 166,6 Millionen Euro im Jahr 2004 erhöhen soll. Für die Mobilfunksparte rechnet der Vorstand mit einem Zuwachs von 50 Prozent beim Ebitda auf 60 Millionen Euro. Die Kundenzahl soll auf 4,8 Millionen steigen. Der Umsatz von mobilcom lag im vergangenen Jahr bei 1,9 Milliarden Euro.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%