Hauptversammlung in Hannover
Aktionäre entlasten Telekom-Chefetage

Nach einer turbulenten Debatte hat die Hauptversammlung der Deutschen Telekom AG Vorstand und Aufsichtsrat mit deutlicher Mehrheit entlastet. Zuvor war vor allem die geplante Wiedereingliederung der Tochterfirma T-Online scharf kritisiert worden.

HB HANNOVER. Ein Unternehmenssprecher sagte am Dienstagabend, für die Entlastung des Führungs- und des Kontrollgremiums hätten 99,89 % der berechtigten Aktionäre gestimmt. Gleichzeitig sei die Dividende von 0,62 € pro Aktie beschlossen worden. Damit entfalle der ursprünglich für Mittwoch vorgesehene zweite Tag der Hauptversammlung.

Zuvor hatte Konzernchef Kai-Uwe Ricke die umstrittene Wiedereingliederung von T-Online verteidigt. Mit der Konzentration auf die drei Geschäftsfelder Breitband/Festnetz, Geschäftskunden und Mobilfunk habe die Telekom eine Voraussetzung geschaffen, um ihre Marktpositionen zu halten und auszubauen. Die angestrebte Verschmelzung von T-Online auf die Deutsche Telekom sei Kern der strategischen Neuausrichtung. „Denn breitbandiges Festnetz und Internet wachsen immer mehr zusammen“, sagte Ricke.

Mit ersten Resultaten der Neuausrichtung des Konzerns rechnet Ricke im laufenden Jahr. „Der volle Effekt wird jedoch dann erst im Jahr 2006 sichtbar werden.“ Ricke bekräftigte in Hannover, nach der Entschuldung in den vergangenen drei Jahren lege der Konzern den Fokus in den kommenden drei Jahren auf profitables Wachstum. Diese Geschäftspolitik werde sich auch im Aktienkurs niederschlagen, der mit jetzt 15,40 € nicht zufrieden stellend sei. „Wir wollen höhere Kursstände sehen. Dafür arbeiten wir, dafür wollen wir die operativen Kennzahlen weiter verbessern.“

Einem Verkauf der US-Mobilfunktochter T-Mobile USA erteilte Ricke eine Absage. "Wir verfolgen in den USA eine äußerst erfolgreiche Wachstumsstrategie, die wir fortsetzen werden", so der Konzernchef. Ralf Oberbannscheidt vom Fondsverwalter DWS hatte auf der Aktionärsversammlung die Frage gestellt, ob der Verkauf von T-Mobile USA eine Option für die Telekom sein könnte. „Wäre nicht jetzt ein optimaler Zeitpunkt, an dem das Wachstum noch hoch ist und potenzielle Interessenten vorhanden sind?“

Ricke bekräftigte die Prognose für 2005, wonach die Telekom einen bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) zwischen 20,7 und 21,0 Mrd. € erwartet. Zur geplanten Dividende äußerte er sich nicht konkret. Er wiederholte nur, die Ausschüttung von 0,62 € je Aktie für 2004 sei die Richtschnur für künftige Ausschüttungen.

Kritik erntete die Telekom zur geplanten Reintegration von T-Online, über die die Aktionäre der Internettochter in dieser Woche abstimmen müssen. „Weder das öffentliche Kaufangebot noch das Umtauschverhältnis sind angemessen oder fair“, sagte Carsten Heise, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Die Verschmelzung habe zwei Gesichter. Das freundliche sei den Telekom-Aktionären zugerichtet, denn das klassische Festnetzgeschäft sei ein Auslaufmodell und die integrierte T-Online könne das gemeinsame Geschäftsfeld wieder auf Wachstumskurs bringen. „Die hässliche Fratze müssen sich die T-Online-Aktionäre anschauen“, sagte Heise. Ausgerechnet jetzt, wo sich die Investition für die T-Online-Aktionäre zu rechnen beginne, werde die Internettochter in den Schoß der Konzernmutter zurückgeholt. Es werde Gerichtsverfahren geben, die Zeit und Geld kosten. „Das hätten sie sich ersparen können“, sagte Heise an die Telekom-Lenker gerichtet. „Es wäre besser gewesen, sie hätten mehr Großzügigkeit walten lassen.“ Da die Deutsche Telekom bereits mehr als 90 % an T-Online hält, müssen die T-Aktionäre nicht über die Verschmelzung abstimmen.

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