Hauptversammlung
Infineons Führungsriege wird abgewatscht

Es war ein unangenehmer Tag für die Führungsriege von Infineon. Und er endete mit einem Denkzettel, der sich gewaschen hatte. Gerade einmal 61 Prozent der Aktionäre des Halbleiterherstellers haben dem Vorstandschef Peter Bauer ihr Vertrauen ausgesprochen. Bei dieser Hauptversammlung wurde abgerechnet.

MÜNCHEN. 61 Prozent, bei einem solchen Ergebnis würden Vorstandschefs wohl gerne im Erdboden versinken. Peter Bauer tat es freilich nicht. Aber bitter aufgestoßen dürfte ihm dieser Mißtrauensbeweis seiner Aktionäre wohl schon sein. Wobei: Für Max Dietrich Kley, dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats kam es ja noch schlimmer. Nur knapp 50 Prozent votierten für ihn.

Wenig verwunderlich, sehen viele Anteilseigner in dem ehemaligen Finanzvorstand von BASF den Hauptschuldigen für den Niedergang des Münchener Chipkonzerns. „Kley trägt besondere Verantwortung“, sagte Hans-Christoph Hirt vom britischen Vermögensverwalter Hermes Equity Ownership Services.

Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) warf Kley vor, das Unternehmen mit Fehlentscheidungen gegen die Wand gefahren zu haben. „Wir behalten uns die Einleitung rechtlicher Schritte vor“, drohte die Juristin. Kley und die anderen Aufsichtsräte hätten zu spät auf Sparmaßnahmen gedrungen und eine „verfehlte Personalpolitik“ betrieben. Kley führt den Aufsichtsrat der ehemaligen Siemens-Tochter seit 2002.

Die Aktionäre haben allen Grund, wütend zu sein: Die Infineon-Aktie ist fast nichts mehr wert. Gestern kosteten die Papiere noch 73 Cent. Wegen des niedrigen Kurses droht in nächster Zeit der Ausschluss aus dem Dax. Dazu kommen tief rote Zahlen und ein jämmerlicher Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr. „Wir gehen in jedem Fall von einer Umsatzeinbuße von mindestens 15 Prozent aus“, warnte Vorstandssprecher Peter Bauer.

Ein frustrierter Kleinaktionär tobte angesichts der horrenden Verluste und des miesen Aktienkurses: „Wo ist unser Geld? Was haben Sie mit unserem Geld gemacht?“

Der seit vergangenem Juni amtierende neue Chef will sich jetzt auf Partnersuche machen. „Sie können sicher sein, dass ich die Krise nutze, um strategische Optionen auszuloten“, beteuerte der Manager. Experten sehen gute Chancen für Bündnisse mit der Konkurrenz. „Momentan sind viele Anbieter an einer Konsolidierung der Branche, Joint-Ventures oder Zusammenschlüssen interessiert“, sagt Jan Stenger von der Unternehmensberatung A.T. Kearney. Allerdings seien fast alle Unternehmen selbst angeschlagen.

Viele Halbleiterhersteller versuchen verzweifelt, an frisches Kapital heran zu kommen. Der hoch verschuldete Infineon-Konkurrent Freescale etwa muss sich in diesen Tagen eine Mrd. Dollar beschaffen. Auch Infineon ist in Verhandlungen mit Banken. „Wir widmen uns jetzt mit erster Priorität dem Thema Refinanzierung“, sagte CEO Bauer.

Viele Aktionäre haben jedoch wenig Hoffnung, dass das Management das Ruder herumreißen kann. „Unser Unternehmen ist angeschlagen, und Rettung ist nicht in Sicht“, sagte Willi Bender von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Der Aktionärsvertreter warf Management und Aufsichtsrat vor, sich viel zu spät vom schwankungsanfälligen Geschäft mit Speicherchips getrennt zu haben.

Infineon hat die Speichersparte unter dem Kunstnamen Qimonda zwar vor zwei Jahren an die Börse gebracht. Noch immer hält der Konzern aber 77 Prozent der Anteile an dem inzwischen insolventen Unternehmen. Die Pleite kommt Infineon teuer zu stehen: Das Unternehmen hat bereits Rückstellungen von 200 Mio. Euro gebildet.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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